Berlin - Helmuth Penz hat in seine Firma an der Darwinstraße in Charlottenburg geladen. Nach all den Berichten über Missstände in seinen Flüchtlingsheimen, von Mitarbeitern, die über Kinderguillotinen fantasieren und Schwarze als „maximal Pigmentierte“ bezeichnen und nach der fristlosen Kündigung durch den Senat will der 70-jährige Pewobe-Chef das Bild eines skrupellosen Geschäftemachers geraderücken, das von ihm entstanden ist. „Ich bin mit Leib und Seele Unternehmer. Sie dürfen nicht immer das Negative in den Vordergrund stellen“, sagt er.

Penz – Jeans, blauweiß gepunktetes Hemd, braun gebrannt – führt durch den langen Flur, von dem zahlreiche Räume abgehen. „Hier im Hause sitzen zehn Tochter- und Beteiligungsgesellschaften von mir.“ An den Wänden hängen Bilder seiner Kunstsammlung. „Junge Wilde aus den 70er Jahren“, sagt Penz, und dass seine Sammlung in der deutschen Botschaft in London ausgestellt wurde. In einer Vitrine im Besprechungsraum sind Handball-Pokale aufgereiht. „Ich war zehn Jahre Präsident des SC Magdeburg. Ich habe Stefan Kretzschmar aus Gummersbach geholt.“ In seinem Büro steht eine Modelleisenbahn. „Ein Sammlerstück, das mit Spiritus betrieben wird“, sagt er, befüllt die Lok und setzt sie mit einem brennenden Docht in Gang.

Widerspruch gegen Kündigung

Ein Kunstexperte und Förderer des Sports, der zur Entspannung mit der Modelleisenbahn spielt. So will Penz gesehen werden. Gegen Kritik scheint der Geschäftsmann immun. Er sagt, er habe Widerspruch gegen die fristlose Kündigung des Betriebs von acht Flüchtlingsunterkünften in Berlin eingelegt. „Das ist rechtlich nicht haltbar.“ Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hatte sich vor gut einer Woche zu diesem Schritt entschlossen, nachdem ein rassistischer E-Mail-Wechsel zwischen der Pewobe-Geschäftsführerin und der Leiterin des Heimes in der Hellersdorfer Maxie-Wander-Straße, die früher mal für die DVU kandidierte, auftauchte.

„Fremdenfeindliche Äußerungen kann ich nicht dulden. Ich habe eine Anwaltskanzlei mit der Prüfung beauftragt“, sagt Penz, um die Vorwürfe sogleich vom Tisch zu wischen. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen.“ Die Mails seien aus dem Zusammenhang gerissen, sagt er. Und dass ein Fehler des Rechtschreibprogramms T9 zu missverständlichen Äußerungen geführt habe. So erklären die Anwälte, wie aus dem Wort „Kinderminigolfanlage“, das die Heimleiterin eigentlich habe tippen wollen, eine „Kinderguiolltine“ wurde, die aufgestellt werden sollte.

Verdächtig sei auch, dass die Mails anonym der Sozialverwaltung zugestellt worden seien. „Wir überlegen, Anzeige gegen Unbekannt zu stellen. Hier wird eine Vorverurteilung versucht.“ Und daher will er die beiden Mitarbeiterinnen auch nicht entlassen. Penz bestreitet zudem Vorwürfe, dass in seinen Heimen systematisch Mitarbeiter mit rechter Gesinnung beschäftigt werden. Von fremdenfeindlichen Beschimpfungen der Flüchtlinge will er nichts wissen. Ahnungslos gibt er sich auch hinsichtlich seines früheren Sprechers, der bis vor wenigen Jahren Vorsitzender der rechten Burschenschaft Gothia in Steglitz war. „Ich habe nicht den Mann persönlich beauftragt, sondern die Medienagentur, für die er tätig war“, sagt Penz. Kein Wort dazu, dass selbst der Verband der Flüchtlingsheimbetreiber, dem vor allem private Firmen angehören, die Pewobe ausgeschlossen hat. Auch für Außenstände, die sich zum Teil im sechsstelligen Bereich bewegen, will er nicht verantwortlich sein.

Davon berichten Subfirmen unter anderem aus Polen, die am Bau der Flüchtlingsunterkunft an der Haarlemer Straße beteiligt waren. Er habe einen Generalunternehmer beauftragt, gegenüber dem die Dienstleister ihre Ansprüche geltend machen müssten, sagt Penz. Ob der Generalunternehmer noch existiere oder vielleicht in die kontrollierte Insolvenz gegangen sei? Der Pewobe-Chef weiß es nicht.

Seit 30 Jahren im Geschäft

Dafür muss er bei der Frage, ob er gar keine Selbstkritik übe, nicht lange überlegen. „Natürlich tue ich das. Wir arbeiten an Lösungen. Wenn zum Beispiel eine Kindergärtnerin fehlt, wird das im Protokoll festgehalten und abgestellt.“ Wiederholt gab es Kritik, dass in Pewobe-Heimen zu wenig Personal eingesetzt war, dass Anforderungen an technische Sicherheit und Hygiene nicht entsprochen wurden, dass Rechnungen überhöht waren. „Alle Mängel wurden behoben“, sagt Penz. Inzwischen beschäftige er mehr Personal als vertraglich mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales vereinbart. „Ich bin seit 30 Jahren für die Unterbringung von Migranten, Flüchtlingen, Aussiedlern und Umsiedlern verantwortlich“, sagt Penz. „Bei mir steht immer der Mensch im Vordergrund.“

Bereits 1969 machte sich der gebürtige West-Berliner mit der Eröffnung der Firma Eltec selbstständig, einer Elektroanlagenbaugesellschaft. „Mit 5000 Mark auf dem Postsparbuch. Geerbt habe ich nichts.“ Mittlerweile besteht sein sich auf mehrere Länder erstreckendes Firmenkonglomerat aus 40 Unternehmen, sagt Penz. Er habe im syrischen Aleppo große Maschinenanlagen gebaut. Er ist Beirat in der deutsch-arabischen Gesellschaft und lädt in sein brandenburgisches Landgut in Gühlen zu feierlichen Empfängen ein.

Penz ist überwiegend in der Immobilienbranche, den Bereichen Dienstleistung und technische Gebäudeausrüstung tätig. Flüchtlingsheime machen nur einen kleinen Teil seines Geschäfts aus. Demnächst steigt er ganz aus. Denn trotz des Widerspruchs gegen die Kündigung suche er mit dem Land eine einvernehmliche Lösung. Er sei bereit, sich als Betreiber der Heime zurückzuziehen. „Ich möchte aber einen geordneten Übergang im Sinne der Mitarbeiter und insbesondere der Flüchtlinge. Sie sollen weiterhin in Sicherheit in den Häusern bleiben“, sagt Penz.

Er suche keinen Streit. Er wolle dem Senat keine Steine in den Weg legen. Das gelte auch für das neue Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, das seinen Sitz in der Darwinstraße beziehen will. Und zwar in den Räumen, die Penz gemietet hat. „Wir ziehen spätestens im Oktober um“, versichert Penz. Seine Firmenzentrale will er dann am Salzufer eröffnen.