Es war ein Schock für die französischsprachige katholische Gemeinde in Berlin: der gewaltsame Tod ihres Pfarrers Alain-Florent Gandoulou. Der 54-jährige Geistliche, den seine Gemeindemitglieder nur Papa Alain nannten, wurde am Abend des 22. Februar dieses Jahres im Gemeindebüro in der Schillerstraße in Charlottenburg erstochen – mit einem Stockregenschirm.

Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 27-jährigen mutmaßlichen Täter aus Kamerun erhoben. „Wegen Totschlags“, sagte Gerichtssprecherin Lisa Jani am Donnerstag der Berliner Zeitung. Die Anklage sei jedoch noch nicht zur Hauptverhandlung zugelassen worden. Daher gebe es auch noch keinen Termin für einen möglichen Prozess.

Zeugen hörten einen lauten Streit

Am Abend des 22. Februar war es in den Gemeinderäumen offenbar zu einem Streit zwischen dem Pfarrer Gandoulou und dem Mann aus Kamerun, vermutlich ein Gemeindemitglied, gekommen.

Zeugen alarmierten gegen 23 Uhr die Polizei, nachdem gehört hatten, wie sich zwei Männer in den Gemeinderäumen lauthals in französischer Sprache stritten. Als die Beamten eintrafen, fanden sie den leblosen Pfarrer Gandoulou. Er war mit einem Schirm getötet worden.

Mutmaßlicher Täter kam in Klinik für psychisch Kranke

Der mutmaßliche Täter konnte am Mittag des nächsten Tages von Fahndern der Mordkommission festgenommen werden – auf dem Dachboden eines Wohnhauses in Reinickendorf. Ein Richter ordnete die Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie an. Seitdem sitzt der 27-Jährige im Maßregelvollzug, einer Klinik für psychisch kranke Straftäter.

Pfarrer Gandoulou wurde in der Republik Kongo geboren. Dort begann er seine Priesterausbildung, dort wurde er auch zum Priester geweiht. Danach arbeitete er als Pfarrer in Afrika und Frankreich. Er promovierte in Bonn und leitete seit dem Jahr 2009 die katholische französischsprachige Mission in Berlin.

400 Menschen nahmen an Trauergottesdienst teil

„Sein musikalisches Talent, das er in Gottesdiensten und Veranstaltungen einbrachte, hat die Gemeinde geprägt. Pfarrer Gandoulou war für Gläubige wie ein Vater, der auch in sozialen Belangen ansprechbar war“, würdigte Berlins Erzbischof Heiner Koch den Getöteten in einem Nachruf.

Bei einem Trauergottesdienst wenige Tage nach der Tat nahmen mehr als 400 Menschen in der St.-Thomas-von-Aquin-Kirche in der Schillerstraße Abschied von Papa Alain, dessen sterbliche Überrester in Brazzaville, der Hauptstadt seiner Heimat, beigesetzt wurde.