Sie haben schon viel übereinander in der Zeitung gelesen, aber noch nie miteinander gesprochen: der Droschkenkutscher Ludwig Zachmann und der tierschutzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Alexander J. Herrmann. Am Dienstag trafen sich die beiden Männer zum ersten Mal an der Swinemünder Straße in Wedding, wo Zachmanns Pferde ihren Unterstand haben. Von dort sind die Gespanne in 40 Minuten am Brandenburger Tor.

Vom Gericht zum Stall

Herrmann prescht mit dem Auto etwas verspätet auf den Hof, weil er als Anwalt bei Gericht länger zu tun gehabt hatte als gedacht. Zachmann begrüßt ihn mit einem Lob: „Sie sind der Erste, der hier einfährt, ohne vorher angerufen zu haben, um sich lotsen zu lassen.“ Herrmann: „Das ist der Vorzug des Halbtagsparlamentariers. Der bleibt fest im normalen Leben verankert.“

Der CDU-Abgeordnete wirkt im ersten Moment in seinem blauen Anzug leicht deplatziert inmitten der Boxen, Kutschen und Heuballen, aber das ist in wenigen Sekunden vergessen. Ohne Rücksicht auf seine frisch geputzten Schuhe läuft er an den Pfützen vorbei, die das Gewitter der Nacht hinterlassen hat, schaut sich das geräumige Auslauf-Geviert der Pferde an und sagt: „Das ist doch genau das, was wir für die Tiere wollen – genügend Platz, dass sie sich austoben können.“

Dann gehen beide in die Kutscherstube, wo Zachmann alle Papiere ausgebreitet hat, die belegen, dass er als Pferdewirtschaftsmeister die Tierschutz-Auflagen einhält. „Die Pferde sind mein Kapital“, erklärt er dem Abgeordneten und geht mit ihm Punkt für Punkt die Auflagen durch. „Wenn die Tiere schlecht aussehen, weil ich sie schlecht behandle, steigt keiner in meine Droschke.“

Mindestens ein Ruhetag pro Woche für die Pferde

Zachmann erläutert, dass die meisten Forderungen, die die Abgeordneten von SPD und CDU in ihrem Antrag „Pferdekutschenbetrieb in geordneten Bahnen lenken“ verabschiedet haben, von den Fuhrbetrieben, die regelmäßig am Brandenburger Tor auf Kundschaft warten, eingehalten werden. Beispiel: Es sollte mindestens einen Ruhetag pro Woche für die Pferde geben; alle gewähren ihren Tieren bereits heute zwei.

Herrmann entgegnet: „Uns Abgeordneten geht es vor allem darum, die schwarzen Schafe herauszufiltern.“ Außerdem handle es sich bei dem Papier um einen Arbeitsauftrag an den Senat. Wenn die Verwaltung am Ende feststellt, dass alles so, wie in den geltenden Leitlinien von 2009 festgehalten, ausreicht, dann sei das auch gut. Am Ende diskutieren die beiden darüber, ob nicht ein Tag des offenen Stalls aller Berliner Droschkenkutscher eine gute Idee sein könnte, Vertrauen zu schaffen. 70.000 Menschen, die die Online-Petition für ein generelles Verbot von Pferdedroschken in Großstädten unterschrieben haben, sind ein ernstzunehmendes Misstrauensvotum.