Carmen Rojas hat in das Atelier an der Urbanstraße einen stummen schwarzen Mann mitgebracht. Seine Haut ist schwarz, seine Kleider, sein Helm und sein Werkzeug auch. Nun springt er durch die Räume und guckt grimmig. Der Mann ist ein Bergarbeiter, einer, der Kohle aus der Erde hackt. Jedenfalls stellt er so einen Bergarbeiter dar. Carmen Rojas und der schwarze Mann werden am diesjährigen Karneval der Kulturen teilnehmen. „Kohlesyndikat“ heißt ihre Gruppe, mit der sie am Pfingstsonntag in der Straßenkarawane quer durch Kreuzberg ziehen wollen.

Es sind besonders viele Akteure, die die Werkstatt der Kulturen zum diesjährigen Karneval zusammen gebracht hat – mehr noch als im vergangenen Jahr. Allein am Umzug werden 82 Gruppen mit 5 300 Menschen teilnehmen. Im vergangenen Jahr waren es 75 Gruppen mit 4 400 Teilnehmern. 800 Musiker, Künstler und Performer treten außerdem auf dem viertägigen Straßenfest auf. Das Programm stellten die Initiatoren am Mittwoch in einem Atelier an der Urbanstraße vor.

Das ganze Jahr über können dort zwölf Gruppen, die beim Karneval schon einmal einen Preis gewonnen haben, ihren Auftritt vorbereiten. Überall stehen sperrige Bilder und Pappmaché-Skulpturen herum. Es wird an Kostümen genäht und es werden Choreographien ersonnen. Die Räume stellt die Gewerbesiedlungsgesellschaft Orco-GSG kostenlos zur Verfügung.

Jede Gruppe hat hier einen eigenen kleinen Raum. Alle sind sie voll gestellt. Deckenhoch reichen die Regale, aus denen Trommeln, Gebasteltes, Materialien heraus quellen. Bei Carmen Rojas sieht es wie in einer Werkstatt aus. Ein Ölbild ist hier schon entstanden, mit dem der Lastwagen dekoriert wird. Es zeigt eine Erdkugel, die gierig von einem Bagger angefressen wird. Südamerika ist schon weg. Denn das ist das Thema ihres diesjährigen Auftritts, zu dem sich der deutsch-mexikanische Verein Calaca und die AG Bergbau und Menschenrechte in Kolumbien zusammen getan haben. „Deutschland importiert Kohle aus Kolumbien. Kolumbien ist der zweitgrößte Kohlelieferant. Aber niemand fragt sich, was das bedeutet“, sagt Carmen Rojas. Sie sagt, es bedeute vor allem schlechte Arbeitsbedingungen, verseuchte Flüsse und verschwindende Dörfer.

Auf diesen Zusammenhang will ihre Gruppe mit ihrem Auftritt aufmerksam machen. Allerdings nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern kreativ. Der Auftritt der Gruppe besteht aus mehreren Elementen. Ein dekorierter Wagen soll voran fahren, auf diesem wird kolumbianische Cumbia-Musik erschallen. Dann kommen die tanzenden Darsteller, eine Hälfte als Bergarbeiter, die andere als Bauern kostümiert. Sie führen überlebensgroße Pappfiguren mit sich und ein riesiges Schaufelrad aus Aluminium. Carmen Rojas verspricht ein Spektakel: „Wir zeigen zwei Gesichter, eins ist fröhlich und eins traurig.“