Am Freitag, dem internationalen Tag der Pflege, beginnt in Berlin die vierte „Woche der pflegenden Angehörigen“. Die Veranstaltungen der Aktionswoche richten sich in erster Linie an Menschen, die zu Hause einen Verwandten betreuen. Sie sollen aber auch das öffentliche Bewusstsein für die Belastung schärfen, denen gerade Berufstätige ausgesetzt sind, wenn sie ihre Eltern oder einen pflegebedürftigen Partner versorgen. Nach Senatsangaben sind die rund 200.000 pflegenden Angehörigen in Berlin sogar der „größte Pflegedienst“ der Stadt.

Schirmherrin der Aktionswoche ist Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD). „Wenn wir über Pflege sprechen, dürfen wir diejenigen nicht aus dem Blick verlieren, die die Hauptlast tragen – die pflegenden Angehörigen“, sagt sie. „Sie brauchen nicht nur Anerkennung, sondern auch praktische Hilfe.“ Kolat kündigt an, sich für flexible Arbeitszeiten und die Verbesserung der finanziellen Absicherung von Betroffenen einsetzen zu wollen.

Die Aktionswoche startet ab 16 Uhr mit der Verleihung der Ehrennadeln Berliner Pflegebär und Pflegecompass. Die begleitende Messe Markt der Möglichkeiten in der Heinrich-Böll-Stiftung in der Schumannstraße in Mitte bietet pflegenden Angehörigen die Gelegenheit zum Austausch. Fortgeführt wird die Woche mit 27 Kulturveranstaltungen, die für pflegende Angehörige kostenlos sind. Dazu gehören Dampferfahrten, Konzerte sowie Filme und Tanzveranstaltungen. Das Programm ist im Internet unter www.woche-der-pflegenden-angehoerigen.de nachzulesen.

Es kann jeden treffen

Initiator ist Frank Schumann, Leiter der Fachstelle für pflegende Angehörige des Diakonischen Werks und Berater der Initiative „Pflege in Not“. Er selbst versorgte seinen schwerkranken Schwiegervater bis zu dessen Tod vor wenigen Wochen. „Wir tun so, als fände Pflege am Rande der Gesellschaft statt“, sagt Schumann. Dabei sei es in einer alternden Gesellschaft für jeden wahrscheinlich, dass er eines Tages pflegender Angehöriger wird.

Zum internationalen Tag der Pflege wird heute in der Humboldt-Box auch der „Pfleger des Jahres“ geehrt. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung geht an die Altenpflegerin Elisa Siebler. Bei der 25-jährigen Hamburgerin wurde eine noch inaktive Multiple Sklerose diagnostiziert. Trotzdem gehe sie, so die Jury, ihrer Arbeit mit hohem Einsatz und großem Humor nach.