Welche Schritte sind erforderlich, um ein Kind bei sich aufzunehmen?

Ja, wir wollen: Was muss man tun?

Wer sich entschieden hat, sich als Pflegeeltern zu bewerben, wendet sich zunächst einmal an das Jugendamt. Dort wird ein erstes Gespräch vereinbart – zum Kennenlernen. Es folgen weitere intensive Gespräche zur Vorbereitung, darin geht es um pädagogische, psychologische, rechtliche und formale Themen. Aber auch um das Kennenlernen, um einzuschätzen, welches Kind zur Familie passen könnte, nicht umgekehrt. Es folgen Seminare zur Vorbereitung, „bis es zur Vermittlung kommt, vergeht oft ein Jahr“, sagt Ducrée.

Bei Jessica war es anders: Sie hatte sich gar nicht als Pflegemutter beworben, Mo stand einfach irgendwann vor der Tür. Er gehörte zum erweiterten Familienkreis, es ist also eine Verwandtschaftspflegestelle. Der Kontakt zum Jugendamt erfolgte dann nachträglich, Schritt für Schritt.

Was kann Pflegeeltern helfen?

„Bei uns läuft es im Grunde bestens, trotzdem komme auch ich immer wieder an meine Grenzen“, sagt Jessica. Wichtig sei deshalb der Austausch mit anderen Pflegeeltern. Das bestätigt auch Ute Ducrée. Gruppenangebote und Stammtische zum Austausch seien sehr wichtig. „Wir bieten vom Jugendamt auch Fortbildungsangebote für die Pflegeeltern, die sehr gut angenommen werden.“ Jessica mag an diesen Treffen, dass sie mit anderen ihre Ängste, Sorgen und Emotionen austauschen kann. „Da ist auch Raum für Trauer oder Wut“.

Und wenn doch alles schief läuft? Wie oft kommen Abbrüche vor? „Nicht oft“, sagt Ducrée, das liege an der intensiven Vorbereitung und Auswahl der Kinder für die Familie, aber auch an der dauerhaften stetigen Hilfe für die Pflegeeltern. „Wir geben uns sehr viel Mühe, das gut zu begleiten“, sagt sie. Die Familien hätten einen festen Ansprechpartner, den sie jederzeit erreichen könnten.

Wer hilft bei Unstimmigkeiten?

Bei Problemen sollten sich Eltern frühzeitig trauen, Hilfe einzufordern, empfiehlt Ducrée. Dann, wenn es noch gar nicht zu größeren Unstimmigkeiten in der Familie gekommen sei. Die Pubertät etwa könne eine schwierige Zeit sein. Die Pflegekinder machten sich auf die Suche nach ihrer Identität, da könnten die Emotionen schon mal hochkochen.

Auf was sollte ich mich vorbereiten?

Im ersten halben Jahr kommt es meist noch nicht zu Problemen. „Erst danach trauen sich viele Pflegekinder auch mal, ihre nicht so guten Seiten zu zeigen. „Das kann man vergleichen mit einer neuen Partnerschaft. Da zeigen sich ja auch die meisten Menschen von ihrer Sonnenseite und erst später lernt man sich wirklich kennen“, sagt Ducrée. Sie sieht das aber nicht kritisch, im Gegenteil: Wenn die Kinder sich trauten, auch mal zu rebellieren, dann sei das ein Zeichen dafür, dass sie angekommen sind, dass sie eine erste Bindung aufgebaut haben. Geduld und Durchhaltevermögen seien auch hier gefragt.

„Ich wachse immer noch in die Rolle der Pflegemutter hinein, auch nach Jahren noch“, sagt Jessica. Liebe allein reiche nicht, weiß sie. „Aber: Wo Liebe ist, da ist auch Familie.“

Über ihre Erfahrungen als Pflegemutter berichtet Jessica auch in ihrem Blog Feiersun.