„Ich schaffe meinen Alltag nur mit Mühe und halte den Beruf nicht bis zur Rente durch“, sagt eine Intensivpflegerin, die in der Charité tätig ist. 
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BerlinDie Pflegekräfte der Charité arbeiten offenbar am Limit. Pro Monat stellen sie 47 bis 68 sogenannte Überlastungsanzeigen. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine parlamentarische Anfrage hervor. Die Situation auf den Stationen war in der Vergangenheit allerdings schon kritischer und entspannt sich nun langsam: 2018 hatten Pflegekräfte noch monatlich 60 bis 80 Anzeigen gestellt.

Krebskrankes Kind wegen Personalmangel abgewiesen 

Das Personal ist dennoch in Not. „Ich schaffe meinen Alltag nur mit Mühe und halte den Beruf nicht bis zur Rente durch“, sagt beispielsweise Dana Lützkendorf, die als Intensivpflegerin an dem Universitätsklinikum tätig ist. Auch sie habe schon mal Überlastungsanzeigen gestellt, um sich bei Unterbesetzungen rechtlich abzusichern.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Charité ein krebskrankes Kind zunächst abweisen musste, weil die Kapazitäten auf der Station nicht ausreichten. Als Grund für den Vorfall wurde unter anderem Personalmangel angeführt. Das Kind konnte erst später aufgenommen werden. Die Charité wies die Vorwürfe gestern zurück, am späteren Tod des Kindes Schuld zu sein.

Um den Personalmangel in den 200 Stationsbereichen aufzufangen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern, hat die Charité im Vorjahr 67 Leiharbeitskräfte eingesetzt – die meisten in der Intensivpflege. Die Charité verfügt zurzeit über 4500 Pflegekräfte, 100 weitere Stellen sind unbesetzt. Auch die beste Hochschulklinik sei nicht gegen den bundesweit herrschenden Personalmangel immun, sagt dazu Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach.

Charité sieht dennoch keine Patientengefährdung

Die von der Senatskanzlei veröffentlichen Zahlen waren von der Charité übermittelt worden. Vorausgegangen war eine Anfrage der SPD-Politikern Bettina König. Sie nennt die Zahlen einen Warnhinweis. „Wir erwarten von der Charité eine bestmögliche Pflege für alle Patienten“, sagte sie. Die Charité weist in der Stellungnahme darauf hin, dass bei einer Überlastungsanzeige keine tatsächliche Gefährdung von Patienten bestehe. Die Pflegeleitung der Charité prüfe jede Anzeige, heißt es. Mitarbeiter, die eine Anzeige stellen, bekämen stets eine Antwort und ein Gesprächsangebot.

Wolfgang Albers von den Linken, selbst Mediziner, sieht die veröffentlichten Zahlen kritisch. Nicht alle, die überlastet sind, stellten auch Anzeige, sagt er. Andererseits würden Anzeigen auch einfach genutzt, um bessere Arbeitsbedingungen zu erwirken.