Pflegerin wählt den Notruf: Feuerwehrleute kommen Pflegerin zu Hilfe und retten Kranke

Nur durch die Hilfe von Sanitätern sowie eines Notarztes der Feuerwehr ist am Sonntag vermutlich ein lebensbedrohliches Drama in einem Seniorenheim in Rudow verhindert worden. Wie erst am Dienstag bekannt wurde, war die medizinische Betreuung von 21 Bewohnern nicht gewährleistet. Eine Hilfspflegerin war allein mit dieser Arbeit betraut. Als ihr die Arbeit über den Kopf wuchs, rief sie den Notruf 112 und bat die Feuerwehr um Hilfe. Jetzt ermittelt das Landeskriminalamt wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen gegen Pflegerin und Heim.

Die Feuerwehr bestätigte den für sie bisher einmaligen Einsatz. Der Konzern Casa Reha bestätigte in einer schriftlichen Stellungnahme, dass es am Sonntag in „einem von sechs Wohnbereichen im Pflegeheim Gartenstadt in Rudow zu einem personellen Engpass“ gekommen war. Grund sei die „kurzfristige Erkrankung einer Pflegefachkraft“ gewesen. Dadurch sei es zu einer „verzögerten Medikamentengabe für einzelne Bewohner“ gekommen. Jedoch habe es „keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen“ gegeben.

Probleme bei Krankheitsfällen

Vom Pflegepersonal wollte sich am Dienstag niemand öffentlich äußern. Es sei kein Wunder, dass es zu solchen Zuständen komme, bei dem wenigen Personal, das bereitstehe, sagte eine Frau hinter vorgehaltener Hand. Bei Krankheitsfällen in der Belegschaft sei eine fachgerechte Pflege nicht möglich.

Die überforderte Hilfspflegerin hatte am Sonntagvormittag kurz vor 11 Uhr die Feuerwehr benachrichtigt. Nach wenigen Minuten waren Notarzt und Sanitäter am Pflegeheim eingetroffen. Die Helfer mussten nach eigenen Angaben vier Patienten akut medikamentös behandeln. Den anderen 17 Senioren wurden die Medikamente verabreicht, die sie an dem Morgen sowieso hatten nehmen sollen, so ein Sprecher.

Das Unternehmen Casa Reha betreibt deutschlandweit rund 70 solcher Einrichtungen. Erst Ende August habe der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) dem betroffenen Heim die Note 1,1 ausgestellt, hieß es in der Stellungnahme von Casa Reha.