Berlin - Jetzt ist Cornelia Yzer wieder da, wo sie nach eigener Aussage doch gar nicht mehr hin wollte. Eine Rückkehr in die Politik habe sie sich eigentlich nicht vorstellen können, sagte Yzer, als CDU-Landeschef Frank Henkel sie am Mittwoch als neue Wirtschaftssenatorin präsentierte. Doch sie sei schließlich Henkels Werben erlegen.

Der CDU-Landeschef sagte, er habe Cornelia Yzer bereits am Sonnabendvormittag, also unmittelbar nach dem finalen Konflikt zwischen ihm und der bisherigen Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz, das erste Mal angerufen. Da habe sie sich noch Bedenkzeit ausgebeten, am Dienstag habe man sich beim zweiten persönlichen Gespräch geeinigt.

„Frau Yzer ist eine kompetente Persönlichkeit, die Erfahrungen aus Wirtschaft und Politik mitbringt“, sagte Henkel. Zuletzt fiel Cornelia Yzer als langjährige Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller auf, dem Lobby-Verband der Pharmaindustrie. „Ja, ich war dort auch Lobbyistin. Eine klare Interessenvertretung mit validen Informationen halte ich für wichtig“, sagte Yzer. In ihrer Funktion als Cheflobbyistin warb sie 15 Jahre lang für die Pharmaindustrie, verhinderte etwa durch hartnäckigen Einsatz die transparente Kosten-Nutzen-Bewertung für neue Arzneimittel.

Die Senatswirtschaftsverwaltung lernte sie schon damals kennen: Ihr Verband formulierte 2009 die Bedenken gegen die Kosten-Nutzen-Bewertung schriftlich, stellte dieses Papier den Referenten der Wirtschaftsverwaltung zur Verfügung. Dort sei das weitgehend übernommen worden und in die Beschlussvorlage für die Konferenz der Wirtschaftsminister eingeflossen. Das jedenfalls schreibt die Journalistin Ursel Sieber in ihrem Buch über die Pharmabranche.

Berlin soll seine "Potenziale entfalten"

Im vergangenen Jahr gab Yzer ihren Lobbyistenposten auf. Sie sagt, auf eigenen Wunsch. Bekannt ist aber auch, dass die Industrie damals unzufrieden war mit dem neuen, strengeren Arzneimittelgesetz des damaligen Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler (FPD). Offenbar hatte man von der Lobbyistin Yzer erwartet, dieses Gesetz stärker im Sinne der Pharmaindustrie zu verändern. Seit einem Jahr arbeitet die alleinerziehende Mutter einer 13-jährigen Tochter wieder als Anwältin. Ein Problem mit ihrer Lobbyisten-Vergangenheit hat sie nicht: „Es ist gut, beide Seiten zu kennen“, sagte Yzer. Früher hat sie auch für den Bayer-Konzern gearbeitet.

Begonnen hat sie ihre Karriere in der Politik. Die Lüdenscheiderin trat mit 17 Jahren in die Junge Union ein, saß mit 28 im Bundestag und wurde mit 30 Jahren Staatssekretärin der damaligen Familienministerin Angela Merkel. Besonders eng scheint der Kontakt zur Kanzlerin heute nicht mehr zu sein. 1997 wechselte sie von ihrem Posten als Staatssekretärin im Forschungsministerium zum Verband der Pharmaindustrie. Damals gab es eine Debatte über üppiges Übergangsgeld, auf das sie schließlich verzichtete.

Zur neuen Wirtschaftssenatorin soll Cornelia Yzer erst am 27. September ernannt werden, zuvor wird sich ein Kleiner Parteitag der CDU damit befassen. Yzer, die seit 12 Jahren in Berlin lebt, wechselt erst jetzt in den hiesigen Landesverband. Als Senatorin möchte sie vor allem die Potenziale des Standortes Berlin entfalten, sagt sie. Besonders bei der Gesundheitswirtschaft sowie bei der Informations- und Kommunikationswirtschaft. Die junge Gründer-Szene müsse flankiert werden. Auch Energie- und Mobilitätswirtschaft seien sehr wichtig.

Von der neuen Senatorin erwartet Henkel nun nach eigenen Worten „Dialog-, Gesprächs- und Kompromissbereitschaft“. Eigenschaften, die Vorgängerin Sybille von Obernitz (parteilos) offenbar nicht auszeichneten.