Mathelehrer Ralf Dorn vom Friedrichshainer Heinrich-Hertz-Gymnasium ist gerade daran beteiligt, das Lernen in gewissem Maße neu zu erfinden. Sein Unterrichtsmaterial zur Geschwindigkeitsmessung, mit der sich seine Klasse gerade beschäftigt, befindet sich in einer geschützten Schul-Cloud.

Der Server, der diese Daten verwaltet, steht in einem deutschen Rechenzentrum. Weitere Unterrichtsmaterialien, Hausaufgaben und bestimmte Schülerdaten befinden sich ebenso in dieser Datenwolke.

Selbst ein eigener Nachrichtendienst ist eingerichtet, damit die Schüler untereinander in Kontakt treten können – wann immer sie wollen. „Ich kann alles ganz leicht aufrufen, und es ist wenig störungsanfällig“, erklärt Dorn und präsentiert auf Knopfdruck eine Aufgabe am Whiteboard

Zugriff ist von überall möglich

Dorns renommiertes Gymnasium beteiligt sich mit 25 weiteren mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichteten Schulen bundesweit an dem Pilotprojekt Schul-Cloud. Am Montag treffen sich die Beteiligten erneut am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut, wo die technische Entwicklung dieser zentralen Schul-Datenwolke vorangetrieben wird. Unterstützt wird das Ganze vom Bundesbildungsministerium.

Mit Hilfe der Schul-Cloud können Schüler und Lehrer künftig von überall her auf Lernmaterial zugreifen. Unabdingbar sind nur funktionierendes Wlan und Breitbandkabel-Anschluss. Die Schüler arbeiten auch von zu Hause aus an gemeinsamen Aufgaben und ergänzen sich.

Bücherschleppen könnte der Vergangenheit angehören

„Kollaborierendes Lernen wird immer wichtiger“, sagt der 46-jährige Dorn, der an seiner Schule auch Fachleiter Informatik ist. Jeder Schüler kann gezielt Nachhilfeangebote heraussuchen. Der Stoff aller Schuljahre ist eingestellt und kann von jedem Schüler individuell nachvollzogen werden. Zudem können Lernfilme gezeigt werden. Mit all dem Stoff aus der Datenwolke könnte sogar lästiges Bücherschleppen bald der Vergangenheit angehören. Das Ende der Schulmappe rückt also näher.

„Vielleicht kommen die Schüler in wenigen Jahren nur noch montags, mittwochs und freitags in die Schule und treten ansonsten über die Schul-Cloud miteinander in Kontakt“, blickt Dorn bereits ein wenig in die Zukunft.

Zwar verfügen schon heute viele Schulen über interaktive Whiteboards. Doch ist das alles sehr störungsanfällig. „Mit dem neuen System entfällt die Wartung von Soft- und Hardware weitgehend“, sagt Dorn.

Ein Problem ist der Datenschutz

Auch vergleichsweise teure Computerkabinette, wie es sie an vielen Schulen gibt, würden nicht mehr benötigt. Denn die Schul-Cloud wird ja extern gewartet. „Das erspart den verantwortlichen Lehrern viel Arbeit.“ Die Schüler müssen lediglich ein internetfähiges Tablet, Handy oder einen Laptop mitbringen.

Ein weiteres Problem ist der Datenschutz: Noch immer kommunizieren zudem viele Lehrer mit ihren Schülern über soziale Netzwerke wie Whatsapp oder Facebook, obwohl diese Angebote längst als vieles aufsaugende Datenkraken bekannt sind. Berliner Datenschützer hatten bereits in der Vergangenheit mehrfach davor gewarnt.

Nur ein Berliner Gymnasium nimmt am Projekt teil

Die Schul-Cloud hingen soll sparsam mit Daten umgehen und vor Hackerangriffen geschützt sein, zudem schauen die Datenschützer der 16 Bundesländer darauf. Geeinigt hat man sich zum Beispiel bereits darauf, dass konkrete Noten einzelner Schüler nicht hinterlegt werden. Nicht überall läuft die Abstimmung reibungslos, das Marie-Curie-Gymnasium im brandenburgischen Ludwigsfelde diskutiert noch mit den Datenschützern.

Das Heinrich-Hertz-Gymnasium ist als einzige Berliner Schule dabei, seit Sommer wird diese Form des neuen Lernens zunächst von drei Lehrern umgesetzt. Der technikbegeisterte Ralf Dorn weiß dabei sehr genau, dass die Digitalisierung nicht per se den Unterricht besser macht.

Förderverein will Breitbandverbindung spendieren

„Wichtig ist, dass die Schüler verbesserte Lernbedingungen erhalten“, sagt er. Das sei hier der Fall, weil sie selbstbestimmter lernen und oft auch den Zeitpunkt bestimmen können. „Ich bekomme dann von Schülern Nachrichten und beantworte diese, wenn ich Zeit habe“, sagt Dorn. Bei bestimmten Hausaufgaben setzt der Lehrer allerdings eine Frist und kann dann genau sehen, welcher Schüler diese Aufgaben zum festgelegten Zeitpunkt tatsächlich gelöst hat.

Damit im Schulgebäude bald möglichst viele Schüler auf die Datenwolke zugreifen können, will nun der Förderverein dem Gymnasium eine eigene Breitbandverbindung spendieren. Die Schulen in anderen Bundesländern sind da teilweise besser ausgestattet.