Der Streit um eine höhere Bezahlung der Briefzusteller bei der Pin Mail AG eskaliert weiter. Nach einem zweitägigen Streik von knapp 250 Mitarbeitern hatte das Berliner Unternehmen Anfang dieser Woche zu einer harten Strafmaßnahme gegriffen: Die Beteiligten des Streiks wurden für bis zu zwei Tage von der Arbeit ausgesperrt. Wie jetzt bekannt wurde, hat der Vorstandsvorsitzende Axel Stirl den Zustellern bereits im Vorfeld eine Streikabbruchprämie angeboten. Wer den Arbeitskampf sabotiere, erhalte mit dem Januar-Gehalt eine Sonderprämie von 550 Euro. Davon würden 300 Euro vor Weihnachten ausgezahlt. Ein erneutes Angebot gab es vor wenigen Tagen. Die Schreiben liegen der Berliner Zeitung vor.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte das Vorgehen scharf und erklärte, die Streikabbruchprämie sei höchstwahrscheinlich illegal. „Wir müssen den Streik fortsetzen“, sagte Benita Unger, Fachbereichsleiterin im Verdi-Landesbezirk Berlin-Brandenburg. Vonseiten des Unternehmens hieß es, solche Prämien seien vom Bundesarbeitsgericht anerkannt. Die Gewerkschaft hatte die Pin-Mail-Mitarbeiter als Reaktion auf die Aussperrung zu einem unbefristeten Streik aufgerufen. Die letzte Aussperrung, sagte Unger, habe es Anfang der 90er-Jahre gegeben. Sie gilt als schärfstes Mittel der Arbeitgeberseite, denn Mitarbeiter werden in dieser Zeit nicht bezahlt.

Der Streik könnte sich nun auch auf den Versand von Bußgeldbescheiden, Jobcenter-Mitteilungen und Schreiben der Finanzämter auswirken. Denn die Pin Mail AG ist für die gesamte Berliner Behördenpost zuständig. Das Land ist der größte Kunde.

Ende nicht absehbar

Bei den Strafgerichten habe sich zuletzt der Eingang von Post der Pin Mail AG um etwa die Hälfte reduziert, sagte ein Gerichtssprecher. Genaue Zahlen gebe es aber nicht. Aus anderen Behörden wurden bislang keine Verzögerungen gemeldet. Allerdings hat man vorgesorgt: „Wenn Kunden wegen des Streiks Fristen versäumen, berücksichtigen wir das“, so Andreas Ebeling, Sprecher des Jobcenters Mitte. Die Pin Mail AG habe allerdings zugesichert, Behördenpost während des Streiks prioritär zu versenden.

Verzögerungen bei der Zustellung seien dennoch nicht auszuschließen, sagte Maresa Puls, Sprecherin des Unternehmens, gegenüber der Berliner Zeitung. Derzeit befinden sich von den 790 Zustellern etwa 230 im unbefristeten Streik. Ein Ende ist noch nicht absehbar. Die Pin Mail AG befördert täglich 368 000 Sendungen.

Verdi fordert 10,5 Prozent mehr Lohn, das Unternehmen hat offiziell nur 2,5 Prozent angeboten. Intern soll den Mitarbeitern nun mehr in Aussicht gestellt worden sein. Laut Verdi liegt der Einstiegsstundenlohn bei 8,22 Euro, die Mehrheit der Beschäftigten sei auf Aufstockungen des Jobcenters angewiesen. Die Pin Mail AG hält den Verdi-Forderungen entgegen, sie seien nicht bezahlbar und würden Jobs kosten.