In diesen Tagen hat Stevie Meriel Schmiedel besonders viel in Berlin zu tun. Das Barbie Dreamhouse eröffnet am Donnerstag in der Hauptstadt, und deshalb ist auch die 41-Jährige hier. Sie muss Interviews geben, Infoblätter verteilen und an der Humboldt-Universität einen Vortrag über „Pinkisierung“ halten. Doch die Deutsch-Britin ist keine Öffentlichkeitsarbeiterin im Mattel-Konzern, der die langbeinige Puppe herstellt. Sie organisiert die Gegner der Erlebnisausstellung, in der kleine Mädchen sich ab morgen in Barbies Kleiderschrank verlaufen und selbst rosa Fummel anziehen dürfen.

Pinkstinks heißt der Verein, den die Mutter zweier kleiner Töchter im vergangenen Jahr in Hamburg gegründet hat. Und auch wenn der Name wie gemacht für den Protest gegen die rosa Glitzerwelt der Barbie klingt, so war es doch eher der Protest gegen Heidi Klums Castingshow „Germany’s next Topmodel“, der die Sozialwissenschaftlerin auf die Barrikaden brachte. „Als ich von Studien las, wonach die Show das Essverhalten von kleinen Mädchen negativ beeinflusst, habe ich mich ins Flugzeug nach London gesetzt“, sagt sie. Dort traf sie sich mit den Initiatorinnen von Pinkstinks UK, die sie schon vorher kannte und gründete dann kurzentschlossen den eigenen Verein.

Vollzeitjob Pinkstinks

Ihren Job als Dozentin an der Hamburger Hochschule für Soziale Arbeit hat sie mittlerweile aufgegeben. Pinkstinks ist ein Vollzeitjob geworden. Und erfolgreich. Der Verein hat mittlerweile einigen Einfluss beim Kampf gegen sexistische Werbung. „Wir schaffen es jetzt schon innerhalb von einer Stunde, dass Plakate abgenommen werden“, sagt Schmiedel selbstbewusst. Die Bahn AG etwa hat vor einigen Tagen ein Gewinnspiel im Internet folgendermaßen betextet: „Papa ist der Beste, Mama ist die Schönste“. Nachdem das auf der Facebook-Seite von Pinkstinks Germany kritisiert wurde, liest man nun: „Papa ist der Beste, Mama ist die Beste“.

Doch der Verein weiß nicht nur mit den neuen Medien umzugehen. Man setzt auch auf ganz klassische Mittel im politischen Alltagsgeschäft. So hat sich Stevie Schmiedel am Dienstag mit zwei Lobbyisten getroffen, die im Auftrag von Pinkstinks Bundestagsabgeordnete bearbeiten soll, damit sie im Kampf gegen sexistische Plakatwerbung mitziehen. Dazu wird gerade eine Petition erarbeitet, die Anfang September übergeben werden soll – mit größtmöglicher öffentlicher Aufmerksamkeit versteht sich.