Seit knapp drei Jahren ist Alexander Spies Co-Fraktionsvorsitzender der Piraten, fast genauso lange steht er im Forsa-Beliebtheitsranking auf dem letzten Platz (siehe unten). Im Interview erklärt er, wie man so viel Schmäh aushält – und warum er trotzdem wieder antritt.

Herr Spies, wie bewerten Sie die Arbeit von Michael Müller auf einer Skala von minus 5 bis plus 5?

Ich bin kein Müller-Fan. Aber auf der Skala gebe ich ihm eine 1.

Und wie bewerten Sie die Arbeit von Innensenator Frank Henkel?

Minus 5. Ich halte es mit meinem Fraktionskollegen Christopher Lauer, der gesagt hat: Frank Henkel mag ein netter Typ sein, aber er ist kein guter Innensenator. Er hat von den Themen wenig Ahnung. Man merkt das schon daran, wie er die Sprechzettel vorliest, die ihm seine Mitarbeiter schreiben.

Wie bewerten Sie Ihre eigene Arbeit?

Die Frage kann ich nicht objektiv beantworten. Das müssen andere tun.

In unserer Forsa-Umfrage stehen Sie fast immer auf dem letzten Platz. Finden Sie das ungerecht?

Nein. Das Letzte, was man erwarten kann in der Politik, ist Dank. Wir müssen Entscheidungen treffen und können es nicht allen recht machen. Wer gelobt werden will, sollte etwas anderes machen. Tischler zum Beispiel.

Haben Sie eine Erklärung für das schlechte Bild, das die Berliner von Ihnen haben?

Wir sind die jüngste Partei und die kleinste Fraktion, und dort bin ich Co-Vorsitzender. Und ich bin ja auch für die Innenkommunikation zuständig, während mein Kollege Martin Delius die Fraktion nach außen vertritt.

Viele bewerten aber auch Ihre Partei. Und die hat ein Imageproblem.

Das stimmt. Viele Menschen wissen auch nicht so genau, was wir eigentlich machen. Ich werde häufig gefragt, ob es die Piraten überhaupt noch gibt.#

Die Partei ist ja auch quasi implodiert. Sie treten trotzdem wieder an. Rechnen Sie sich Chancen aus?

Was Sie zur Partei sagen, stimmt nicht. Die Piraten werden in diesem Jahr zehn Jahre alt. Der Neuigkeitswert ist weg. Die Mühsal der Ebene liegt vor uns. Aber was etwa die Mitgliederzahlen angeht: Wir haben jetzt ungefähr so viele Mitglieder in Berlin wie vor den Wahlen 2011.

Es waren mal 4 000, davon ist weniger als ein Viertel übrig.

Die 4 000 waren eine Blase. Etwas für die Partei tun wollten die wenigsten. Wir sind weniger, aber wir sind politischer geworden. Wenn ich mir anschaue, wie die Diskussionen in den Pads (Online-Diskussionsforen der Partei, d. Red.) ablaufen, dann ist das Niveau deutlich höher als vor fünf Jahren.

Was haben die Piraten im Parlament bewirken können?

Ich finde am wichtigsten, was wir für die Transparenz in Berlin getan haben. Als kleinste Fraktion haben wir die meisten parlamentarischen Anfragen gestellt. Wir haben Dokumente der Verwaltung zugänglich gemacht, teilweise per Klage, etwa gegen die Jobcenter. Und wir haben dafür gesorgt, dass alle Senatsverwaltungen Aktenpläne führen, also Verzeichnisse der vorhandenen Dokumente. Wir haben den Senat ziemlich genervt.

Falls Sie wiedergewählt werden, was haben Sie vor?

Unser großes Thema muss die Transparenz bleiben. Und natürlich Bürgerbeteiligung. Ganz persönlich will ich aber auch am Ball bleiben bei Themen, die nicht so viel Beachtung finden. Etwa die Entgelte für die Versorgung von Schwerstbehinderten, wo der Senat Mist gebaut hat und wir korrigierend eingreifen konnten.

Statt der Piraten könnte die AfD ins Abgeordnetenhaus einziehen, die für eine völlig andere Politik steht. Ist das nicht ein bitteres Ende?

Das wäre weder das Ende der Piratenpartei noch der Untergang des Abgeordnetenhauses. Es wäre eine politische Situation, mit der man umgehen muss. Die Piraten sind eine Bewegung, die Demokratie und Menschenrechte verteidigt. Die AfD ist demokratiefeindlich. Deshalb werden wir uns innerhalb und außerhalb des Parlaments gegen sie wehren.

Interview: Frederik Bombosch