Was ist geschehen?

Am Montag (19.09.2016) wurden in der Wohnung von Gerwald Claus-Brunner zwei Leichen gefunden: die des 44-jährigen Piraten-Politikers und der Leichnam eines jungen Mannes. Dessen Identität wurde mittlerweile geklärt. Es handelt sich um einen 27-jährigen Berliner aus Wedding, der früher ein Gymnasium in Steglitz-Zehlendorf besucht haben soll.

In welchem Kontakt stand Gerwald Claus-Brunner zu dem jungen Mann?

Bei dem Getöteten soll es sich um einen 27-Jährigen handeln, der früher für den Abgeordneten gearbeitet hat. Claus-Brunner soll ihm nachgestellt haben. Der Jüngere fühlte sich belästigt und zeigte ihn bereits im Juni wegen Stalkings an. „Inwieweit es einen Stalking-Hintergrund geben könnte, das ist Gegenstand der Ermittlungen“, sagte Martin Steltner von der Staatsanwaltschaft. In der vergangenen Woche soll Claus-Brunner den 27-Jährigen in dessen Weddinger Wohnung aufgesucht haben.

Was ist in der Wohnung des 27-Jährigen passiert?

Gerwald Claus-Brunner soll ihn an der Tür überwältigt, gewürgt und durch Schläge auf den Kopf getötet haben. Dann soll er ihn mit Kabelbindern gefesselt und per Sackkarre und Auto in seine Steglitzer Wohnung geschafft haben. Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, wollte den Transport mit der Sackkarre nicht bestätigen, sagte aber: „Die Leiche muss transportiert worden sein - wie auch immer.“

Was ist über den zweiten Toten bekannt?

Bei dem Toten  handelt es sich um den 27-jährigen Jan L. aus Wedding. Jan L., der ein Gymnasium in Steglitz-Zehlendorf besucht hatte, soll sich mit der Entwicklung von Spielen befasst haben.

Missbrauchte Claus-Brunner das Opfer?

Die Ermittler gehen diesen Hinweisen nach. Bislang wollen weder Polizei noch Staatsanwaltschaft die Vorwürfe bestätigen.

Wie starb Gerwald Claus-Brunner?

Nach dem Mord tötete er sich selbst durch einen Stromschlag. Als gelernter Mechatroniker verstand er es, einen Sicherungskasten zu manipulieren.

Gab es einen Abschiedsbrief?

Ja. Gerwald Claus-Brunner hatte einen Abschiedsbrief an die Zentrale der Berliner Piratenpartei geschickt. Parteifreunde alarmierten die Polizei. Diese öffnete am Montag mit der Feuerwehr die Wohnung des Politikers.

Was hat die Obduktion der beiden Leichen ergeben?

Am Dienstag wurden beide Leichen obduziert. Wie die Polizei mitteilte,  bestätigte die Autopsie, dass sich Claus-Brunner das Leben nahm. Bei dem anderen Toten habe man festgestellt, dass er durch „stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper“ getötet worden sei.  Auch, dass die Tat mehrere Tage zuvor stattgefand, bestätigte die Untersuchung.

Was war das letzte Lebenszeichen von Claus-Brunner?

Zuletzt hatte Claus-Brunner sich noch einmal über seinen Twitter-Account gemeldet: „Echter Kacktag heute, übertrifft sämtliche schlechten tage die ich je erlebt hatte bisher. Hoffe das Wochenende machts besser“, schrieb er am vergangenen Sonnabend.

Etwas später twitterte er das Foto eines jungen Mannes, der ihm in der S-Bahn gegenüber saß. „Meine Liebe, mein Leben, für dich lieber Wuschelkopf, für immer und ewig!“, schrieb er dazu.

Stimmt es, dass Gerwald Claus-Brunner seinen Tod angekündigt hat?

Am 23. Juni hatte Claus-Brunner in seiner letzten Rede vor dem Abgeordnetenhaus  eine Anspielung  auf seinen bevorstehenden Tod gemacht: „Und ihr werdet auch in der laufenden Legislatur für mich am Anfang irgendeiner Plenarsitzung mal aufstehen dürfen und eine Minute stillschweigen.“

Wie reagierten die Piraten?

Die Piratenpartei veröffentlichte nach Claus-Brunners Tod auf ihrer Webseite einen Nachruf. Er habe seinem Leben selbst ein Ende gesetzt. „Faxe“ (so lautete der Spitzname des Politikers) habe gewusst, dass er unheilbar krank gewesen sei, hieß es noch am Montag. Laut Steltner wurde bei der Obduktion keine unheilbare Krankheit festgestellt. Die Piratenpartei löschte die Passage zur Krankheit später wieder aus dem Nachruf.

Wer war Gerwald Claus-Brunner?

Claus-Brunner gehörte zur Berliner Piratenfraktion, die 2011 überraschend mit 8,9 Prozent und 15 Abgeordneten als erste in einen deutschen Landtag einzog. Der Berliner Piraten-Politiker fiel durch sein Outfit auf. Der Zwei-Meter-Mann trug immer Arbeitslatzhosen und ein Kopftuch. Bei der Wahl am Sonntag schieden die Piraten wieder aus dem Parlament aus.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, in der Regel nicht über Selbsttötungen zu berichten, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Der Grund ist die hohe Nachahmerquote. Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110-111 oder 0800-1110-222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus scheinbar aussichtslosen Situationen aufzeigen konnten.