Erst hatten die 15 Piraten im Abgeordnetenhaus einen Antrag beschlossen, dass sie künftig eine Chefin haben wollen. Das bezog sich darauf, dass die Personenbezeichnungen in der Satzung künftig ausschließlich weiblich sein sollen.

In die Fraktionsspitze, die bei den Piraten doppelt besetzt wird, wurden bei der Wahl aber zwei Männer gewählt, Alexander Spies und Oliver Höfinghoff. Die einzige Frau unter den Piraten, Susanne Graf, trat gar nicht erst an.

Der Softwareentwickler Alexander Spies, mit 57 Jahren der älteste Pirat, hatte seine Kandidatur überraschend in der Fraktionssitzung bekannt gegeben – und bekam die meisten Stimmen im ersten Wahlgang, knapp vor Höfinghoff.

Unter den mitunter schrillen Kollegen wirkt Spies mit seiner Schiebermütze unauffällig-harmlos. Er wolle nach innen wirken, die zerstrittene Fraktion zusammenbringen. „Ich bin auch unter Stress ansprechbar“, sagte er in seiner Bewerbungsrede.

Bei Twitter schreibt Spies eher selten, er möge keinen Klatsch, sagte er nach seiner Wahl.

Höfinghoff bekam im zweiten Wahlgang die meisten Stimmen. Seine Mitgliedschaft bei dem umstrittenen Verein „Rote Hilfe“, die vorher Schlagzeilen gemacht hatte, kam in der Sitzung nicht zur Sprache.

Der 36-Jährige hatte sich zuvor bereit erklärt, sich im Falle seiner Wahl um die Außenwirkung zu kümmern. Am kommenden Donnerstag werden die beiden ihr Amt übernehmen.

Heiko Herberg wurde in seinem Posten als parlamentarischer Geschäftsführer wiedergewählt. Die bisherige Doppelspitze, Andreas Baum und Christopher Lauer, war zuvor zurückgetreten. Baum hatte die Fraktion seit dem Einzug ins Abgeordnetenhaus 2011 geführt. Lauer hatte am Montag nach internen Querelen seinen Rückzug angekündigt.