Luckenwalde - Mühelos haken sie einen Punkt nach dem anderen ab. Alle paar Minuten heben die rund 100 Frauen und Männer im Saal des Kreishauses Luckenwalde (Teltow-Fläming) ihre orangefarbenen Stimmkarten hoch und erledigen so einen der vielen Anträge zum Wahlprogramm. Das leicht chaotische Bild, das die Piraten sonst oft abgeben, ist bei ihrem Brandenburger Landesparteitag am Wochenende nicht zu sehen: Gegen den Ausbau der Braunkohle-Verstromung stimmen sie, für deutlich höhere Bildungsausgaben im Land und für mehr Transparenz in Politik wie öffentlicher Verwaltung.

Klares Ziel der jungen Partei ist der Einzug in den Potsdamer Landtag 2014. In den Parlamenten Berlins, des Saarlands, Schleswig-Holsteins und Nordrhein-Westfalens ist sie bereits mit Abgeordneten vertreten. In Brandenburg kamen die Piraten bei Umfragen zuletzt auf sechs Prozent Zustimmung.

An einigen Programmpunkten hakten sich die Teilnehmer des Parteitags, zu dem alle zahlenden Mitglieder geladen waren, aber doch fest. Längere Diskussionen gab es vor allem über Fragen der Demokratie. Ein Antrag sah vor, auch Kindern unabhängig vom Alter das Kommunalwahlrecht zu gewähren. „Wir können unseren Kids vertrauen“, sagte eine Piratin. Andere widersprachen. Dann müsse man Zweijährigen auch das Autofahren gestatten, sagte einer: „Es gibt für alles eine Altersgrenze“, das müsse auch für das Wählen gelten. Die deutliche Mehrheit sah das ebenso und lehnte den Kinder-Antrag ab.

Umstritten war auch die Forderung, die Sperrklausel bei Landtagswahlen von fünf auf höchstens drei Prozent zu senken. Das könne rechtsextreme Parteien begünstigen, monierten mehrere Teilnehmer. „Dann ist das eben Demokratie“, hielt ein junger Pirat entgegen. Die Forderung nach niedrigeren Hürden für Parlamentseinzug kommt nun ins Wahlprogramm.

Einige der inhaltlichen Lücken, die bisher bei den Piraten klafften, wurden somit geschlossen. Die anderen Parteien hatten sich deshalb bisher mit Bewertungen der politischen Konkurrenz zurückgehalten. „Die sind noch nicht, die werden erst“, sagte Linken-Chef Stefan Ludwig.

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Verbock hob hervor, den Piraten gehe es mehr um die Rechte des Einzelnen, den Grünen „um Gemeinschaft und Solidarität“. Beide Parteien wie auch SPD und FDP müssen befürchten, dass die Piraten ihnen Stimmen wegnehmen. Denn der Parteitag in Luckenwalde bestätigte weitgehend, was Landeschef Michael Henkel vorher gesagt hatte: Die meisten Piraten verstünden sich als „eher liberal bis links“.