Bislang schien alles klar zu sein. Die provisorischen Kontrollbaracken am Platz der Republik neben dem Reichstagsgebäude sollen einem neuen Besucher- und Informationszentrum (BIZ) des Deutschen Bundestags weichen, das am Rand des Tiergartens geplant ist. Wer künftig das Reichstagsgebäude besichtigen will, soll dort zunächst kontrolliert werden und dann durch einen Tunnel bis vor das Westportal des Parlaments laufen – um dort das Reichstagsgebäude zu betreten. So jedenfalls hat es der Ältestenrat des Bundestags vor vier Jahren beschlossen. Rund 150 Millionen Euro werden für das Projekt veranschlagt.

Doch jetzt werden die Pläne wieder infrage gestellt: von Parlaments-Vizepräsidenten Wolfgang Kubicki (FDP), dem Vorsitzenden des Bundestags-Baukommission. „Unsere Planung ist viel zu klein“, sagte Kubicki nach einer Besichtigung des Besucherzentrums des Kapitols in Washington. Während das 2008 eröffnete Besucherzentrum des Kapitols eine Fläche von 52.000 Quadratmetern hat, soll das BIZ in Berlin nur 6600 Quadratmeter bieten, zuzüglich 2000 Quadratmeter im Tunnel. „Entweder wir machen das richtig oder gar nicht“, sagte Kubicki. Das Besucher- und Informationszentrum in der Bundeshauptstadt „muss mindestens doppelt so groß sein“, fordert er. Kubicki ist klar, dass die Kosten dann steigen. „Wenn wir was Richtiges machen wollen, werden wir den Betrag verdrei- oder vervierfachen müssen“, sagt er.

„Unsere Planung ist viel zu klein“

Das Visitor Center des Kapitols ist bei der Kostenentwicklung allerdings kein gutes Vorbild. Die zunächst kalkulierten Baukosten von 71 Millionen Dollar stiegen am Ende auf mehr als 600 Millionen Dollar, umgerechnet gut eine halbe Milliarde Euro.

Trotzdem ist Kubicki vom Besucherzentrum in Washington überzeugt. Es sei „nicht nur der Eingang zum Kapitol, sondern zu einem ganzen Land“, sagt er. Zu dem Zentrum gehören Ausstellungsflächen und Kinos, in denen die Besucher über die Geschichte und das Funktionieren der Demokratie in den USA informiert werden. „Die sehen das nicht nur technisch als Eingang, sondern verbinden das mit einem Bildungsauftrag“, schwärmt Kubicki.

Der FDP-Politiker will deswegen die Berliner Planung ändern. „Wir müssen anders denken“, fordert er. „Nicht für ein Jahr, sondern für 100 Jahre.“ Kubicki stellt zudem infrage, ob das bislang für das Projekt zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) geeignet ist, den Bau zu realisieren. Die Behörde kriege „nichts auf die Reihe: Mein Vertrauen, dass das noch was wird, schwindet jeden Tag“, sagt der FDP-Mann. Außerdem beklagt Kubicki „Grabenkämpfe“ bei Berliner Bezirken und der Bauverwaltung. Auf der nächsten Sitzung der Baukommission will Kubicki die Frage aufwerfen, welcher Träger das Projekt realisieren soll. Für sich hat er die Frage schon beantwortet. „Wir brauchen einen anderen Projektträger.“

Kontrollen in Baracken soll ein Ende haben

Das Besucher- und Informationszentrum des Bundestags soll an der Scheidemannstraße entstehen – dort, wo sich zurzeit noch der Berlin-Pavillon befindet. Dieser soll abgerissen werden. Die Planung ist bereits vorangeschritten. So ist seit anderthalb Jahren klar, dass das BIZ nach einem Entwurf des Züricher Architekten Markus Schietsch und des Landschaftsarchitekten Lorenz Eugster errichtet werden soll. Sie haben sich in einem Wettbewerb durchgesetzt, bei dem 187 Beiträge eingereicht worden waren.

Mit dem Besucher- und Informationszentrum sollen die Kontrollen in den provisorischen Baracken am Rande des Platzes der Republik ein Ende finden. Diese waren nach Terrorwarnungen im November 2010 nötig geworden, galten aber gestalterisch nur als Notlösung.

Pläne aufgrund hoher Kosten stagniert

Als Standort für das BIZ war zunächst der Platz der Republik erwogen worden. Das Land Berlin wollte jedoch kein oberirdisches Gebäude in der Sichtachse auf den Reichstag errichten lassen. Ein unterirdischer Bau an dieser Stelle wäre sehr aufwendig und teuer geworden, weil in der Nähe zum Reichstag mehrere unterirdische Verkehrsbauwerke verlaufen.

Aufgrund der hohen Kosten wurden die Pläne nicht weiter verfolgt. Als weitere Variante wurde zwischenzeitlich ein Neubau zwischen dem Paul-Löbe-Haus des Bundestags und dem Kanzleramt diskutiert. Für das Besucherzentrum hätte der Standort aber einen gravierenden Nachteil gehabt: Die Besucher hätten zwei Sicherheitskontrollen passieren müssen: erst beim Betreten des BIZ, dann beim Besuch des Reichstags, der mehr als 200 Meter von diesem Platz entfernt steht. Diese Variante wurde deswegen nicht weiter verfolgt.