Nach dem Stream Tower und den beiden Wohnhochhäusern Max und Moritz soll im neuen Stadtviertel rund um die Mercedes-Benz-Arena ein weiterer Turm entstehen. Am Montag wurden die Pläne für das Projekt im Baukollegium des Senats präsentiert.

Rund 140 Meter soll das Bürohochhaus in den Himmel wachsen, das neben dem Einkaufszentrum East Side Mall geplant ist. Damit soll der Bau einer der höchsten Türme der Stadt werden, höher noch als das Zoofenster mit dem Hotel Waldorf Astoria sowie das Upper West, die jeweils 118 Meter weit aufragen.

Mehrere treppenartige Schlitze in der Fassade sind das auffälligste Kennzeichen des 140 Meter hohen Büroturms, der vom Architekturbüro Bjarke Ingels Group (BIG) aus Kopenhagen entworfen wurde. Die Dänen haben sich unter drei Bewerbern mit ihrem Entwurf durchgesetzt. In den treppenartigen Schlitzen sind kleine begrünte Terrassen vorgesehen. Neben rund 50.000 Quadratmetern Bürofläche schaffen die Dänen Räume für Cafés und Restaurants sowie eine öffentlich zugängliche Dachterrasse.

Auf 400 Millionen Euro wird das Investitionsvolumen beziffert. Bis Ende 2021 soll der Turm stehen. Bauherr ist die OVG Real Estate, der größte Projektentwickler der Niederlande. Einen Namen hat der geplante Turm noch nicht, sagte OVG-Geschäftsführer Martin Rodeck. Mieter gibt es ebenfalls noch nicht.

Anregungen der Experten

Das Baukollegium, in dem der Hochhaus-Entwurf präsentiert wurde, ist ein Gremium aus Experten, das Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in architektonischen Fragen berät. Das Gremium urteilte, es könne der Nutzungsverteilung und der Programmatik des Hochhaus-Entwurfs „gut folgen“, wie die Architektin Verena Brehm sagte.

Doch auf den präsentierten Bildern und Ansichten fehle das Wilde, noch Unfertige und Rohe, das man sich im Kontext mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wünsche. „Toll“ sei, dass das Dach öffentlich zugänglich sein soll. Aber dies sei nicht von außen abzulesen.

Die Fassade sei dem Baukollegium außerdem noch zu glatt. Man wünsche sich mehr Grün. Für den Sockelbereich wäre zudem wünschenswert, dass mehr Angebote für den Kiez aufgegriffen werden: „Was Soziales, was aus dem Bereich Bildung und Kultur“, sagte Verena Brehm. „Wilder“ solle es werden, fasste Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zusammen – und wenn Grün entstehe, dann sollte es „richtig grün“ werden.

Der Sockel des Turms müsse zu 100 Prozent zu dem Bezirk passen. Sonst werde das Projekt nicht erfolgreich. Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) sagte im Anschluss an die Beratungen: „Wenn die treppenartigen Öffnungen begrünt werden, wäre es ein Fortschritt.“ Das Nutzungskonzept für den Sockelbereich sollte „mit dem Kiez entwickelt werden“.

Zalando soll Hauptmieter werden

In der letzten Sitzung des Baukollegiums waren die Pläne für den 90 Meter hohen Stream Tower diskutiert worden, der ebenfalls im Stadtviertel um die Mercedes-Benz-Arena errichtet werden soll. Der Stream Tower soll an der Tamara-Danz-Straße/Ecke Wanda-Kallenbach-Straße entstehen und eine gläserne Fassade erhalten. Die österreichische Signa hatte das Areal im vergangenen Jahr als eine der letzten noch freien Bauflächen in dem Gebiet von der Anschutz Entertainment Group (AEG) erworben.

Der Tower soll eine Bruttogeschossfläche von etwa 50.000 Quadratmetern haben. Hauptmieter soll der Online-Modehändler Zalando werden. Am anderen Ende des neuen Stadtviertels entstehen in der Nähe des Ostbahnhofs die beiden 86 und 95 Meter hohen Wohntürme, die unter dem Namen Max und Moritz bekannt geworden sind. Mitte 2020 sollen die rund 300 Millionen Euro teuren Türme fertig sein.

Ideen für historische Mitte

Außer den Plänen für das 140 Meter hohe OVG-Bürohaus beriet das Baukollegium am Montag über die Gestaltung des Grundstücks an der Stralauer Straße zwischen Waisenstraße und Klosterstraße in der historischen Mitte. Auf dem Areal will die Trockland Management GmbH die vorhandene Bebauung aus den 1960er-Jahren abreißen und durch ein Büro- und Geschäftshaus ersetzen. Im Erdgeschoss sind gastronomische Angebote geplant.

Einen Entwurf gibt es noch nicht. Im Baukollegium ging es nur um die städtebauliche Idee. Von den drei vorgeschlagenen Varianten, die eine mehr oder weniger massive Bebauung entlang der Stralauer Straße vorsahen, vermochte jedoch keine die Experten zu überzeugen. „Es ist noch zu viel Masse“, sagte die Senatsbaudirektorin. Das Baukollegium empfahl eine Parzellierung, die aus dem alten Quartier kommen müsse.