Berlin - Die Mieten in Berlin steigen rasant. Auch für Studenten wird es schwieriger, eine bezahlbare Bleibe zu finden. „Allein auf der Warteliste für unsere Studentenwohnungen stehen derzeit 900 Personen“, sagt Ellen Krüger vom Studentenwerk Berlin. „Wir gehen davon aus, dass es zum neuen Semester noch einmal deutlich mehr werden.“ Selbst Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) plant bei seiner Wohnungsbauförderung auch für Studenten.

Der findige Unternehmer Jörg Duske hat diesen Bedarf längst erkannt und macht jungen Studenten ein ungewöhnliches Angebot. An der Eichbuschallee 51 im Treptower Ortsteil Plänterwald baut Duske ein Container-Dorf für 400 Studenten. Im Herbst schon sollen die ersten Jungakademiker einziehen. „Die Container aus rostfreiem Stahl werden zunächst aus den Niederlanden geliefert, dann werden wir sie in China produzieren lassen“, sagt Duske. Das sei deutschlandweit völlig neu. Die Container haben stets das gleiche Standardmaß. 12 Meter lang und 2,50 Meter breit werden sie sein. Ein ziemlicher Schlauch also.

Mobiliar aus Pappe

Auf immerhin gut 28 Quadratmetern werden eine Toilette mit Dusche sowie eine Küchenzeile integriert. Damit es nicht ganz so dunkel wird, sollen an beiden Container-Enden Fenster angebracht werden. Laut Duske würden die Studenten mindestens 220 Euro monatlich an Miete zahlen. Eine möblierte Container-Wohnung wäre aber noch teurer. Das Mobiliar soll zu einem Großteil aus pflegeleichter Pappe bestehen. Zum Vergleich: Der Durchschnittspreis für eine Wohnung des Studentenwerkes liegt bei 199 Euro monatlich. Nach der letzten verfügbaren Studie des Studentenwerks Berlin hatten Studenten im Jahr 2009 monatliche Durchschnittseinnahmen von 874 Euro.

Inspiriert wurde Duske von einem Bericht über Containerbauten in Amsterdam in der Fernsehsendung „Galileo“. „Für uns ist es natürlich günstiger, auf diese Weise zu bauen“, gibt der Unternehmer zu. Auf dem Grundstück in Plänterwald will die Presto-Vermögensverwaltung an die 13 Millionen Euro investieren. Bisher stehen hier in Treptow-Köpenick unweit der Neuköllner Bezirksgrenze noch ein paar alte Bürobaracken aus DDR-Zeiten, die abgerissen werden sollen. Neben dem Grundstück verlaufen Bahngleise.

Das bezirkliche Stadtplanungsamt ist bereits in einem Gespräch informiert worden. „Wir finden das Vorhaben durchaus sinnvoll“, sagte Rainer Hölmer (SPD), Baustadtrat von Treptow-Köpenick. Zumal die Hochschule für Technik und Wirtschaft mit ihren 12 000 Studenten und den beiden Standorten in Oberschöneweide und Karlshorst dringend weitere Studentenwohnungen benötigt. Es müsse natürlich alles baurechtlich in Ordnung sein und ein ansprechendes Erscheinungsbild haben, sagte Hölmer.

Deshalb werde man auf Lärm- und Brandschutz sowie die nötige Dämmung achten. Aus statischen Gründen könnten auch nur vier Container übereinander gestapelt werden. Ein preisgekrönter Entwurf des Züricher Architektenbüros Holzer Kobler sieht vor, dass die Container in zwei langen, gegenüberliegenden Reihen aufgestellt werden. Dazwischen sei Platz für einen Treffpunkt der Studenten. „Frankie & Johnny“, heißt der Entwurf. Damit zielen die Investoren auf eine internationale Studentenklientel.

Viele Studenten von außerhalb

Etwa 140.000 Studenten gibt es in Berlin an 18 Hochschulen, davon kommen etwa 80 000 dieser jungen Leute nicht aus Berlin, 20 000 aus dem Ausland. Den zusätzlichen Bedarf allein an Wohnheimplätzen in der Hauptstadt schätzt die Bildungsverwaltung auf über 600. Nach Berechnungen der Senatsbauverwaltung koste die Fertigstellung jeder neuen Studentenwohnung ungefähr 50 000 Euro. Da sind Container einfach billiger.