Die Wahl der passenden Oberschule für die künftigen Siebtklässler bleibt von unwägbaren Risiken begleitet. Das gilt insbesondere für die Gymnasien. In der vergangenen Woche endete die Anmeldefrist für die Oberschulen, am Dienstag teilt die Bildungsverwaltung mit, welche die begehrtesten sind. Dabei zeigt sich, dass in diesem Jahr völlig andere Gymnasium gefragt sind als in den Vorjahren.

Erstmals steht das Primo-Levi-Gymnasium in Weißensee  ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Schulleiter Uwe Schramm wird voraussichtlich überraschend 70 Schüler ablehnen müssen. „Mit einem Grundschul-Notenschnitt von 1,6 sind die Schüler noch sicher drin“, sagt Schramm, der es aber schade fände, wenn sich sein Gymnasium zur Eliteschule entwickeln würde. „Wir legen  Wert auf gute Allgemeinbildung, machen da viele verschiedene Angebote.“

In den vergangenen Jahren hatte die Schule immer ungefähr so viele Bewerber wie Plätze. „Da dachten in diesem Jahr offenbar besonders viele Eltern, ihr Kind hätte bei uns eine gute Chance.“ Wer  einen schlechteren Notenschnitt als 1,6 hat, kein Härtefall ist oder nicht bereits ein Geschwisterkind an der Schule hat, kann jetzt nur noch auf das Losverfahren hoffen. 

Allerdings gibt es in Weißensee in Zukunft ein Problem: Nach der geplanten Sanierung des relativ großen Levi-Gymnasiums soll die Schule nur noch rund 300 Schüler weniger aufnehmen dürfen.

Noch 1000 Plätze frei

Insgesamt meldeten sich bis Stichtag 21. Februar knapp 22.800 künftige Siebtklässler an den staatlichen Gymnasium sowie den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen der Stadt an. Das waren gut 415 Anmeldungen mehr als im Vorjahr. Etwas mehr Schüler eines Jahrgangs  strebten in diesem Jahr aufs Gymnasium (43,3 Prozent, Vorjahr 42,6 Prozent). An den Sekundarschulen ließen  sich 56,7 Prozent der Schüler registrieren. Besonders eng dürfte es in diesem Jahr in Pankow und Lichtenberg werden, aber auch in Tempelhof-Schöneberg, wo   traditionell besonders  viele Sekundarschulen mit Anmeldungen überhäuft werden.

Das ist nämlich der große Unterschied zu den Gymnasien: Die  beliebtesten Sekundarschulen sind seit Jahren dieselben, zum Beispiel die Sophie-Scholl, die Beckmann-, die Buber- oder die Carl-Zeiss-Schule, alle   übrigens mit gymnasialer Oberstufe.  Von den 124 Sekundarschulen in Berlin haben noch 71 Schulen freie Plätze, insgesamt 748. Von den 87 Gymnasien haben noch 46 freie Plätze, insgesamt 307. Da sind bei den Gymnasien deutlich weniger Plätze, bei Sekundarschulen gibt es hingegen mehr freie Kapazitäten.

„Wir haben die Anzahl der Schulplätze noch einmal um 500 erweitert“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und betonte, dass es in jedem Bezirk besonders nachgefragte Schulen gebe. Auffällig ist dieses Jahr, dass viele innerstädtische Gymnasien besonders begehrt waren. Zum Beispiel das Lessing-Gymnasium in Wedding oder das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neukölln, beides Schulen mit einem durchaus hohen  Migrantenanteil, die sich einen sehr guten Ruf erarbeitet haben. Wobei das Lessing-Gymnasium auch gezielte Begabtenförderung bietet.

30 Prozent der Plätze werden verlost

Klassisch elitäre Gymnasien, an denen ein außerordentlich guter Notenschnitt erwartet wird, sind hingegen nicht mehr so überlaufen.

Seit 2010 gilt, dass bei übernachgefragten Schulen 60 Prozent der Schüler nach Notenschnitt oder anderen spezifischen Kriterien aufgenommen werden, 10 Prozent der Plätze ist für Härtefälle reserviert – und 30 Prozent der Plätze werden am Ende verlost.

Die Bezirke werden nun schauen, dass sie möglichst alle künftigen Siebtklässler mit Plätzen versorgen können. Pankow etwa  hatte im vergangenen Jahr etliche Schüler zunächst in andere Bezirke geschickt, weil es keine Schulplätze mehr gab. Eltern müssen auf jeden Fall geduldig sein. Die Schulämter verschicken die Bescheide, ob das Kind einen Schulplatz erhält oder nicht, erst am 19. Mai.