In der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit hat der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel Rückendeckung von Parteifreunden erhalten. Während sich etwa sein Parteifreund und Abgeordnetenkollege Thomas Heilmann nicht äußern wollte, weil er den Fall nicht kenne, nimmt Jan-Marco Luczak den unter Druck geratenen Steffel in Schutz.

Luczak, Chef der sechsköpfigen Berliner Landesgruppe der CDU im Bundestag, sagte, die Vorwürfe müssten jetzt „ohne Ansehen der Person, rein nach wissenschaftlichen Standards“ geprüft werden. Das Ergebnis sei abzuwarten. Bis dahin gebe er Steffel weder „öffentliche Ratschläge, weil diese häufig eben auch Schläge sind“ noch erwarte er irgendwelche Konsequenzen, so Luczak.

FU-Berlin prüft die Vorwürfe

Die Berliner Zeitung hatte berichtet, dass die Internetplattform Vroniplag Plagiatsanzeige gegen Steffel gestellt hat. Die Rede ist von etlichen Passagen der wissenschaftlichen Arbeit, in denen Steffel nicht sauber zitiert, abgeschrieben oder ganze Absätze ohne ausreichende Kennzeichnung aus anderen Texten übernommen haben soll.

Ähnliche Fundstücke machte die Berliner Zeitung bei einer eigenen Recherche. Derzeit prüft die Freie Universität (FU) Berlin, an der Steffel 1999 seinen Doktorarbeit einreichte und schließlich mit dem akademischen Titel geehrt wurde, die Vorwürfe.

Frank Steffel selbst verweist an die FU, die jetzt die Vorwürfe prüfe. Er habe großes Vertrauen in deren Gremien. Steffels Doktorvater, Professor Dietrich W. Winterhager, sagte, die Doktorarbeit sei den „seinerzeit üblichen Zitierregeln“ gefolgt. Der Doktorand habe ersichtlich keine Täuschungsabsicht gehabt, so Winterhager.

Ein bekanntes Muster

Monika Grütters, Berliner CDU-Landeschefin, Bundestagsabgeordnete und Kulturstaatsministerin, sagt, auch sie habe keinerlei Anlass, an Frank Steffels Redlichkeit zu zweifeln. Grütters will sich nach eigenen Worten nicht auf eine Fachdiskussion über Steffels Arbeit einlassen, sagt sie – schon mangels Kenntnis dieser. Stattdessen verweist sie auf die Freie Universität Berlin: „Ich hoffe, dass die Universität die Vorwürfe nach wissenschaftlichen Kriterien überprüft.“

Im Übrigen erinnerten sie die Vorwürfe gegen Steffel an ein „bereits bekanntes Muster“, sagt die Politikerin. Bei solchen Vorwürfen gehe es oft weniger um sauberes wissenschaftliches Arbeiten, als um die Beschädigung oder sogar gesellschaftliche Vernichtung bürgerlicher Existenzen. Grütters geht noch weiter: „Es ist auffällig, dass es bei Vroniplag regelmäßig Politiker und Persönlichkeiten des bürgerlichen Lagers trifft.“

Tatsächlich führt eine im Online-Lexikon Wikipedia aufgeführte „Liste deutscher Dissertationen mit Plagiaten“ vor allem Politiker von CDU, CSU und FDP auf. Jorgo Chatzimarkakis und Silvana Koch-Mehrin (beide FDP) tauchen ebenso auf wie der Berliner Fraktionschef Florian Graf und die aktuelle Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU).

Möchtegern-Akademiker der Vergangenheit

Monika Grütters jedenfalls erinnert im Zusammenhang mit aufgeflogenen Möchtegern-Akademikern an ihre Tätigkeit als Berichterstatterin im Bildungsausschuss des Bundestags. In diese Zeit sei auch die Affäre Schavan gefallen.

Der damaligen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) war 2013 nach Plagiatsvorwürfen ihre Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 aberkannt worden, Schavan gab daraufhin ihr Ministerinnenamt auf. „Zu Unrecht“, wie Grütters bis heute findet. Die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf habe bei der Aberkennung voreilig und gegen die Expertise mehrerer Wissenschaftler gehandelt.

Ganz anders verhalte es sich freilich mit Karl-Theodor zu Guttenberg, sagt Grütters. Dessen Doktorarbeit wurde ebenso untersucht und schließlich für so unhaltbar befunden, dass die Universität Bayreuth ihm den Doktortitel aberkannte. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet, jedoch wieder eingestellt. Dennoch trat der CSU-Politiker nach öffentlichem Druck als Verteidigungsminister zurück. „Das war etwas anderes. Das war ja viel offensichtlicher als bei Frau Schavan“, sagt Monika Grütters.

Es gebe eben sehr unterschiedliche Fälle, so Grütters. Umso mehr sei es notwendig, Steffels Arbeit jetzt unabhängig zu prüfen.