„Warte, ich muss nur noch eben...“ Mit diesem Satz fertigt jedes Elternteil wohl mal sein Kind ab – und schaut gebannt weiter ins Smartphone. Da solche Situationen aber leider keine mehr Ausnahme sind, braucht es jetzt augenscheinlich drastischere Maßnahmen, um Eltern auf ihren Handykonsum aufmerksam zu machen.

„Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?“ Mit einer Plakataktion der Kampagne Medien-Familie-Verantwortung in Mecklenburg-Vorpommern sollen nun landesweit Väter und Mütter sensibilisiert werden, sich Gedanken über ihren Smartphone-Konsum in Gegenwart ihrer Kinder zu machen. Denn egal ob im Sandkasten, am Kinderwagen oder im Café: Gesurft wird überall. Auch beim Abholen aus der Kita!

„Die Aufmerksamkeit der Eltern für ihre Kinder ist enorm wichtig“, sagte Sozialministerin Birgit Hesse bei der Vorstellung der Kampagne. „Kinder brauchen den Kontakt, sie brauchen Lob, Anregung, Motivation und Ermunterung von ihren Eltern. Das ist durch Nichts zu ersetzen.“

Mit dem Handy um Aufmerksamkeit konkurrieren

Erzieher berichten, dass viele Eltern mit dem Smartphone beschäftigt sind, wenn sie ihre Kinder abholen. Sie fragten nicht nach ihren Erlebnissen des Tages, sondern chatteten einfach weiter. Dabei haben die Kinder das Bedürfnis mit ihnen zu sprechen. Sie fühlen sich vernachlässigt, wenn sie immerzu mit dem Handy der Eltern um die Aufmerksamkeit konkurrieren müssen.

In einer norwegischen Studie gaben elf Prozent der befragten Mädchen und Jungen an, dass sie sich wegen des Internets von ihren Eltern vernachlässigt fühlen. Die Kinder bemängelten nicht etwa die körperliche Abwesenheit, sondern die mentale: Über Smartphones und andere Internetzugänge würden die Eltern einfach verschwinden. 

Bei kleinen Kindern läuft Kommunikation über Blickkontakt

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Yougov bestätigt diesen Trend für Schweden. Dort gibt sogar jedes dritte Kind an, darunter zu leiden, dass sich seine Eltern oft lieber mit ihrem Handy als dem eigenen Nachwuchs beschäftigen. Zwölf Prozent der Eltern gaben zu, ihre Kinder auf Spielplätzen oder Schwimmbädern nicht genügend beaufsichtigt zu haben, weil sie mit ihren Smartphones beschäftigt waren. Ein fataler Trend.

Die Bindungsforschung belegt, dass Kinder in den ersten beiden Lebensjahren – besonders in den ersten zwölf Monaten – eine erwachsene Bezugsperson brauchen, die sehr dicht mit ihnen kommuniziert und interagiert. Das gibt den Kindern Sicherheit und ist wichtig für ihre Entwicklung. Gerade am Anfang läuft Kommunikation über Blickkontakt und geteilte Aufmerksamkeit.

Weitere Aktionen für sensiblen Handy-Gebrauch geplant

Wenn Eltern aber ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt sind, vergeben sie wichtige Gelegenheiten, das aufzugreifen, was ihr Kind gerade beobachtet. Und können seine Handlungen dann im Alltag sprachlich nicht begleiten. Die Plakataktion ist deshalb nur ein erster Schritt. Im nächsten Jahr sind weitere Aktionen geplant, denn das Thema wird – so sieht es aus – noch lange präsent bleiben. (lis)