Eigentlich ist es eine einfache Rechnung. Im vergangenen Jahr wurden auf den Berliner Flughäfen fast 28 Millionen Passagiere abgefertigt, und der Luftverkehr in die Hauptstadt nimmt weiter zu. Der BER, der in rund zweieinhalb Jahren eröffnet werden soll, hätte aber in seiner jetzigen Form nur Platz für 27 bis 30 Millionen Fluggäste. Ergebnis: Der neue Flughafen der Hauptstadtregion wäre von Anfang an zu klein. Eigentlich klar, dass man bald damit beginnen müsste, Erweiterungen zu planen. Doch dazu gab es auch am Freitag noch keine Entscheidung im Aufsichtsrat des Flughafens.

„Kapazitätserweiterung ist ein Dauerthema für uns. Wir sind in intensiven Diskussionen“, sagte Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD) nach der Sitzung in Tegel. Was man als Politiker so sagt, wenn es noch diverse Bedenken gibt. Ein Schritt nach dem anderen, lautete bislang dem Vernehmen nach ein Argument auf Gesellschafterseite. Der Flughafen habe genug damit zu tun, den BER in der jetzigen Gestalt fertigzustellen. Und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verwies darauf, dass in Sachsen noch Kapazitäten ungenutzt

seien: am Airport Leipzig.

„Klare Kante“ im Mai oder Juli

„Im Mai, spätestens im Juli wird es im Aufsichtsrat klare Kante geben“, so Bretschneider am Freitag. „Der BER ist Opfer seines eigenen Erfolgs“ – es sei absehbar, dass er mehr Fluggäste anlockt als erwartet. Darauf müsse reagiert werden.

Wobei auch bei diesem Thema die Grundentscheidung längst gefallen ist. Am 30. Juni 2014 gab der Aufsichtsrat fünf Millionen Euro frei, damit Gutachter ermitteln, wie Engpässe vermieden werden können. Am 12. Dezember lag ein Vorschlag auf dem Tisch, der auf Wohlwollen stieß: Der Pier Nord des BER-Terminals sollte um einen Abfertigungsbereich erweitert werden. Die Kapazität würde so um acht Millionen Passagiere pro Jahr steigen. Kosten: 177 Millionen Euro. Sollte der Pier Süd auf die gleiche Weise ausgebaut werden, könnten weitere acht Millionen Passagiere abgefertigt werden.

Schönefeld soll offen bleiben

Inzwischen gibt es weitere Optionen. So könnte am VIP-Parkplatz ein zusätzlicher Check-In-Zugang zum Terminal entstehen. Zudem schlagen die Planer vor, den Flughafen Schönefeld (SXF) weiterhin zu nutzen. Um die Anlagen weiterbetreiben zu können, ist jedoch eine dreistellige Millionensumme nötig. So hielte die Gepäckförderanlage nicht mehr lange durch.

Für die fernere Zukunft gibt es schon länger die Option, auf dem Rollfeld mindestens ein Gebäude zu errichten, das vor allem dem erwarteten Umsteigeverkehr dienen würde. Der Planfeststellungsbeschluss für den BER ließe auch einen zweiten „Satelliten“ zu. Unklar ist aber, wie die Fluggäste dorthin gelangen. Der anfangs vorgesehene Tunnel unterm Vorfeld und die unterirdischen Anschlüsse im Terminal sind eingespart worden.

Doch vor allem brauche der BER weitere Abfertigungsanlagen für ein- und aussteigende Fluggäste, bekräftigten die Planer. Mittelfristig wäre ein zweites großes Terminal im Westteil des BER-Geländes sinnvoll – auf der Selchower Seite. Dort gebe es Platz, auch für Parkhäuser und Parkplätze. Die Bahngleise für S-Bahnen und Regionalzüge führen dort vorbei.