Berlin - Die meisten Einweg-Tüten werden nur für den kurzen Weg nach Hause genutzt und landen nach durchschnittlich 25 Minuten bestenfalls im Hausmüll und später in der Verbrennungsanlage – oft verschmutzen sie aber Parks oder Seen. Gegen diesen Müll-Wahnsinn hat die Stiftung Naturschutz Berlin vor knapp einem halben Jahr ein deutliches Zeichen gesetzt: Mehr als 3000 Menschen waren im September auf das Tempelhofer Feld gekommen und haben sich der Aktion „Berlin tüt was“ angeschlossen.

Sie haben 50.000 Plastiktüten zu einer neun Kilometer langen Kette zusammengeknotet, um auf das Tüten-Problem aufmerksam zu machen. „Plastiktüten sind eine große Ressourcenverschwendung“, sagt Stiftungssprecherin Heidrun Grüttner. Denn etwa 43 Tonnen Rohöl werden benötigt, um die Plastiktüten herzustellen, die in Berlin an einem Tag über die Ladentresen gehen. Das sind insgesamt 710.000 Stück.

"Tütenbewusstes Völkchen"

Der Handelsverband Berlin-Brandenburg aber sieht aktuell kein Tüten-Problem. „Die Berliner sind schon jetzt ein tütenbewusstes Völkchen“, glaubt Geschäftsführer Nils Busch-Petersen. Doch die Stiftung Naturschutz verspricht: „Wir bleiben an dem Thema dran“, sagt Heidrun Grüttner. In diesem Jahr werde die Stiftung zudem die To-go-Becher thematisieren, die inzwischen tausendfach anfallen.

Ein gewisses Umdenken – den Tütenmüll beim Einkaufen zu vermeiden – ist in Berlin zu verzeichnen. In Kreuzberg etwa hat im September der Laden „Original unverpackt“ eröffnet, der gänzlich ohne Einwegverpackungen auskommt. 350 Produkte werden angeboten, die Kunden können sie in selbst mitgebrachte Behälter abfüllen, oder sie kaufen im Laden wiederverwertbare Dosen, Gläser oder Stoffbeutel.

Landessteuer wäre bundesrechtswidrig

Im Kaufhof am Alexanderplatz können die Kunden zwischen mehreren Tüten und Beuteln wählen. Geschäftsführer Torsten Kruse betont, dass die kostenlosen Plastiktüten aus recyceltem Kunststoff hergestellt werden. „Plastiktüten erfüllen am besten den Zweck, dass die Kunden die Waren trocken und sicher nach Hause bekommen.“ Als Alternative könnten die Kunden langlebigere Plastiktüten oder Stoffbeutel kaufen.

Wie man mit der Flut von Einkaufstüten umgeht, darüber denkt die Berliner Umweltverwaltung schon lange nach. Dabei wurde jüngst über eine Landessteuer diskutiert. „Wir haben das geprüft“, sagt Sprecher Martin Pallgen, aber eine Sonderabgabe auf Verpackungsartikel im Land Berlin wäre bundesrechtswidrig.