Berlin - Seit Dienstag schon sollte Rüdiger Barney in Pension sein und seinen Ruhestand genießen. Doch am Mittwochmorgen sitzt er immer noch in seinem Büro in der Poelchau-Schule. Diese Eliteschule des Sports in Charlottenburg-Nord ist bekannt für ihre Absolventen, auch die Fußballer Jérôme und Kevin Prince Boateng waren hier Schüler.

„Ich möchte noch bis zum Ende des Schuljahres im Sommer weiterarbeiten“, sagt Barney, „denn jetzt kommen die arbeits- und entscheidungsintensivsten Monate des ganzen Schuljahres.“ Prüfungen und Abschlussfeiern stünden an, das nächste Schuljahr müsse vorbereitet werden. Am Dienstag brachten Schüler am Gebäude sogar mehrere Transparenten an: „Ohne Barney – ohne uns“ stand da drauf.

Barney will unentgeltlich weiterarbeiten

Den Abschied des angesehenen Schulleiters begründet die Bildungsverwaltung offiziell mit den 2003 eingeführten Arbeitszeitkonten (AKZ). Damals war die Arbeitszeit von verbeamteten Lehrern um zwei Stunden pro Woche erhöht worden. Um dies auszugleichen, erhalten Lehrer seither pro Schuljahr fünf freie Tage auf ihrem Arbeitszeitkonto. „Ich habe gut 50 Tage angesammelt und soll deshalb früher gehen“, sagt Barney, der kurz vor seinem 65. Geburtstag steht..

Dass diese Regelung keine gute Idee war, haben die nun verantwortlichen Politiker eingesehen. Denn sie führt dazu, dass Lehrer oder Schulleiter mitten im Schuljahr gehen müssen und dann nicht so schnell Ersatz gefunden werden kann. Im Koalitionsvertrag haben SPD und CDU deshalb die Abschaffung der AKZ beschlossen. Allerdings feilschen Bildungs- und Finanzverwaltung seit Monaten über einen anders gearteten Ausgleich. Bisher ergebnislos.

Wenn ein Lehrer allerdings partout länger arbeiten will, kann er das in der Regel tun. Dann werden ihm die freien Tage ausbezahlt. Doch ausgerechnet für Rüdiger Barney soll das nicht gelten. Die Bildungsverwaltung lehnte Barneys Antrag jedenfalls ab. Obwohl er sogar bereit war, ohne Gehalt weiter zu machen. Dafür gebe es keine dienstliche Notwendigkeit, hieß es.

Gnadenfrist bis zu den Osterferien

Womöglich liegt es daran, dass der seit 1996 amtierende Schulleiter ein streitbarer Mensch ist. Barney prangerte den gesundheitsschädlichen Asbest im Schulgebäude wiederholt öffentlich an. Dabei zog er auch staatliche Gutachten in Zweifel, wonach kein akute Gesundheitsgefährdung für seine Schüler bestehe. Auch von Sportvereinen, die mit der Schule kooperieren, ließ sich Barney nichts bieten. Als seine Schüler für Hertha BSC den Schnee vom Trainingsplatz schaufeln sollten, beschwerte er sich ebenfalls.

Der heikelste Punkt aber ist, dass Barney offenbar eine eigene Vorstellung davon hat, wer seine Nachfolge antreten soll. Wie Lehrer berichten, möchte Barney in der Schulkonferenz gerne einen bestimmten Kollegen als neuen Schuldirektor präsentieren. In der dienstlichen Beurteilung habe er diesem die höchstmögliche Note gegeben: Ein „A“. Zwei höherrangige Kollegen, die ebenfalls Schulleiter werden wollten, seien hingegen nur mit „B“ bewertet worden. Dem Kandidaten von Barney steht deshalb nur noch eine Bewerbung aus der Schulverwaltung selbst entgegen. Von dort teilte man dem Schulleiter bereits mit, man wolle das Stellenbesetzungsverfahren auf jeden Fall ohne seinen Einfluss durchführen.

Eine Gnadenfrist aber gab man ihm: Bis zu den Osterferien am Freitag darf Barney noch bleiben.