Berlin - Die kleinen bunten Monster aus den Neunzigern feiern ihr Revival. Kaum jemand kommt derzeit an der neuen Spiele-App „Pokémon Go“ von Nintendo und Niantic Labs vorbei. Seit Mittwoch ist das Augmented-Reality-Spiel, bei dem man Pokémons in der realen Welt fangen kann, auch in Deutschland auf dem Markt. In Berlin nimmt der Hype schon ganz schön skurrile Züge an.

Pokémon-Jagd am Holocaust-Mahnmal

Durch die Stadt zu laufen und dabei nur auf das Display des Smartphones zu gucken, um kleine bunte Fabelwesen zu fangen, ist eine Sache. Aber muss das auch an Gedenkstätten passieren? Das Berliner Holocaust Mahnmal in der Cora-Berliner-Straße in Mitte fordert von den App-Enwicklern eine Umprogrammierung. "Auf der Website des Entwicklers kann man unpassende Orte als Spielarenen melden, das haben wir getan", sagt eine Sprecherin der Gedenkstätte der Berliner Zeitung. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas als Pokémon-Spielfeld anzubieten sei absolut unangemessen, so die Sprecherin. Auf eine Antwort von den Spiele-Machern warte man noch.

Pokémons im Club

Nicht mal beim Feiern bleibt man von der Pokémon-Invasion verschont. Auf der Website www.electronicbeats.net ist eine Art Club-Führer für Pokémon-Go-Spieler zu finden. So soll es zum Beispiel auf dem Veranstaltungsgelände Urban Spree in Friedrichshain einen eigenen „Pokéstop“ geben, an dem zum Beispiel Pokébälle gesammelt werden können. Im Eingangsbereich vom „Kater Blau“ in der Holzmarktstraße direkt an der Spree gibt es laut dem Portal besonders viele Wasser-Pokémons zu finden und wie soll es auch anders sein, sogar am Berghain seien die fleißigen Pokémon-Trainer an der richtigen Adresse. Um die Wartezeit in der langen Schlange vor dem Club schneller hinter sich zu bringen, könne man sich in einer Pokémon-Arena vor Ort die Zeit vertreiben.

Gleich drei Pokéstops soll es beim Watergate-Club oder im Yaam geben. Und ausgerechnet auf dem Gelände des sonst so antikommerziellen Clubs ://About Blank am Ostkreuz sei ebenso eine Pokémon-Arena zu finden. Ist das die Geburtsstunde eines neuen Tanz-Trends, bei dem man während dem Abzappeln immer wieder kurz innehält, um ein paar imaginäre Fabelwesen einzufangen?

Private Pokémon-Taxi-Touren

Nicht weniger skurril erscheinen die neuerdings von Privatpersonen angebotenen Taxi-Fahrten. Via Ebay Kleinanzeige bietet zum Beispiel jemand aus Berlin-Treptow an, Pokémon-Trainer entspannt durch die Gegend zu fahren für zehn bis 20 Euro pro Stunde. Die Kosten könne man sich natürlich auch teilen, um mit Freunden "ohne Ablenkung" auf Pokémon-Jagd gehen zu können. Immerhin - mehr als 400 Nutzer haben sich dieses Angebot bereits angesehen.

Ein ähnliches Angebot gibt es natürlich auch für Touristen in Berlin. Für 7 Euro (Verhandlungsbasis) können auf einer geführten Tour Pokémons gefangen werden, die in der Heimatstadt nicht existieren. Die Tour wird zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt.

Protestmarsch vor der Veröffentlichung in Deutschland

Zu guter Letzt könnte man noch den Protestmarsch nennen, zu dem ein Berliner kurz vor der Freischaltung der App in Deutschland via Facebook eingeladen hat. Tausende Pokémon-Fans hatten zugesagt, protestierend vom Tempelhofer Feld bis zum Alexanderplatz zu marschieren, um den Hersteller dazu zu drängen, das Spiel endlich auch in Deutschland freizuschalten. Ein solcher Marsch war am Ende nicht mehr nötig, denn am Mittwoch wurde die Ländersperre zur großen Freude deutscher Pokémon-Trainer aufgehoben. Man kann gespannt sein, welche verrückten Trends, Veranstaltungen, Ebay-Angebote oder vielleicht sogar Meisterschaften sie sich noch überlegen, um Berlin auf Trab zu halten.