Politik als Opfer-Show: Wie kalkuliert war Alice Weidels Abgang?

Wer darauf eingeht, kommt aus der Sache nicht mehr unbeschadet heraus. Man wird unweigerlich Teil der dramaturgischen Inszenierung, die die AfD-Politikerin Alice Weidel am Dienstagabend dazu bewogen hat, die ZDF-Politshow „Wie geht’s Deutschland?“ vorzeitig zu verlassen. Es spricht gewiss einiges dafür, dass Weidel bereits mit der Absicht ins Fernsehstudio gegangen ist, sich früher als alle anderen Parteienvertreter wieder abzukabeln. Der demonstrative Abgang kam nicht aus heiterem Himmel.

Auf eine Unterbrechung ihres Vortrags einer nicht enden wollenden Zahlenkolonne durch die Moderatorin Marietta Slomka reagierte Alice Weidel aggressiv-pampig. Sie beharrte darauf, ausreden zu können: „Sonst kann ich mir das Ganze hier sparen.“ Als ihr kurz darauf CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer nahelegte, sich von den Rechtsradikalen in ihrer Partei zu distanzieren, war der im Gestus der Empörung vollzogene Auszug für geübte TV-Zuschauer tatsächlich keine Überraschung.

AfD-Wähler fühlen sich vermutlich verstanden

Weidels Mission war erfüllt, der AfD-Elite geht es nicht um das Werben für das bessere Argument, sondern um die öffentliche Beweisführung, dass man sie und ihresgleichen gar nicht erst zu Wort kommen lässt. Politik als Opfer-Show. Die war zumindest hinsichtlich der Haltungsnoten mangelhaft. Man nimmt einer wie Weidel die emotionale Ambivalenz nicht ab, die sie bei dem Versuch, ihre politischen Positionen zu bekräftigen, schließlich aus der Haut fahren lässt.

Der nun vielfach artikulierte Verdacht, es hier ganz mit gezielt politischem Kalkül zu tun zu haben, führt aber nicht aus dem Spiel heraus. Wer glaubt, Weidel durchschaut zu haben, gehört vermutlich nicht zum Klientel der AfD. Die Kundschaft für solch eine Theatralik des Beleidigtseins aber fühlt sich womöglich verstanden. Und es ist zu befürchten, dass es demnächst eine parlamentarische Version davon gibt.