Berlin - Erfolg kann ein Fluch sein, Wahlerfolg auch. So wird man wohl mit einiger Sicherheit voraussagen können, dass Gesine Lötzsch im Herbst 2013 in Lichtenberg scheitern wird. Wenn auch nur an sich selbst: Die Bundestagskandidatin der Linken, von den Genossen Sozialisten im Bezirk „unsere Gesine“ genannt, hat im vergangenen Jahrzehnt eine dermaßen steile Kurve beim Erststimmenergebnis hingelegt, dass es mutmaßlich nicht einmal ihr gelingen wird, dies zu übertreffen.

Zuletzt, 2009, bekam sie 47,5 Prozent der Stimmen; vier Jahre zuvor 42,9 Prozent; davor 39,6. Knapp war es nie zwischen ihr und ihren Mitbewerbern, das ist nun mal so in Lichtenberg, dem Bezirk mit einem der treuesten Linken-Wählerpools, nicht zuletzt durch die nach wie vor solide Schicht von Ex-Funktionären aus DDR-Zeiten.

Doch ganz so ein Selbstläufer wie bisher wird es 2013 trotzdem nicht. Zwar braucht die 51-jährige Lötzsch, von 2010 bis 2012 Bundesparteivorsitzende mit allerdings wenig rühmlicher Bilanz, im Bezirk keinen Gegner zu fürchten. Aber spätestens die Abgeordnetenhaus-Wahl von 2011 hat gezeigt, dass sich auch im sozialistischen Erbhof Lichtenberg inzwischen manches zu drehen beginnt. Nur noch vier von sechs Direktmandaten wurden geholt, die anderen gingen an die SPD.

Die Sozialdemokraten, zweitstärkste Partei im Bezirk, organisierten gar ein Dreierbündnis mit CDU und Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung, um erstmals nach langen Jahren einen SPD-Mann, nämlich Andreas Geisel, zum Bürgermeister zu machen. Jenen Andreas Geisel, der nur zwei Jahre zuvor als Direktkandidat gegen Lötzsch das schlechteste SPD-Erststimmenergebnis Berlins eingefahren hatte. Doch bei allem Wandel in Sozialstruktur und Wahlverhalten: Keine der großen Parteien wartet mit einem großen Namen gegen Lötzsch auf, von der Parteifreunde sagen, sie habe schon jede Hand im Bezirk mindestens einmal geschüttelt. Dafür treten Nachwuchspolitiker an, für die der erste Bundestagswahlkampf ihres Lebens in jedem Fall Gewinn bringt. Wenn nicht an Mandaten, dann an Erfahrungen.

Die SPD entscheidet endgültig erst im Frühjahr über ihre Wahlkreiskandidaten. Man überlegt noch, das auf Kreisebene neue Instrument der Mitgliederbefragung nutzen, um die Basis stärker an der Aufstellung zu beteiligen. Bereit erklärt haben sich bisher zwei Männer: der Fraktionsvorsitzende und jugendpolitische Sprecher der SPD in der Bezirksverordnetenversammlung, der 30-jährige Erik Gührs, von Beruf Physiker. Und, ebenfalls aus dem Ortsverband Neu-Hohenschönhausen, der 29-jährige Max Krieger, ein ehemaliger Polizist und Wirtschaftsstudent, der sich die Themen Hochschul- und Sozialpolitik vorgenommen hat und seinen Kandidatenwahlkampf unter anderem auf Facebook führt. Beide Genossen unterstützen die Mitgliederbefragung. Die meisten Sozialdemokraten rechnen damit, dass sich am Ende Gührs durchsetzt.

Die CDU hat ihren Kreisvorsitzenden Martin Pätzold, 28, nominiert, hauptberuflich Referent von Sozial-Staatssekretär Michael Büge. Pätzold könnte das Kunststück gelingen, 2013 mit Lötzsch im Bundestag zu sitzen, denn er hat sich mit einer guten Rede und mutmaßlich noch besserer strategischer Sondierung auf dem CDU-Parteitag auf Platz 7 der Landesliste wählen lassen. Grüne, FDP und Piraten haben noch keine Kandidaten.