Berlin - Der Politikwissenschaftler Lorenz Korgel wird Antisemitismusbeauftragter des Landes Berlin. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) ernannte den 47-Jährigen am Mittwoch zur Ansprechperson beim Thema Antisemitismus. Korgel übernimmt das Amt im Übergang. Im nächsten Jahr soll das endgültige Profil des Amtes festgelegt und die Stelle neu besetzt werden, hieß es.

Als Antisemitismusbeauftragter solle Korgel insbesondere mit jüdischen Organisationen und mit Trägern der Antisemitismusprävention den Austausch suchen, so die Justizverwaltung. Bei Einzelanliegen von Bürgern vermittle er zivile Beratungsangebote.

Neues Konzept zur Prävention von Antisemitismus

Die neue Stelle und Korgels Ernennung sind Teil des Landeskonzepts im Kampf gegen Antisemitismus. Auf dieses Konzept zur Prävention hat sich der Berliner Senat Mitte März geeinigt. Mehrere Verwaltungen sollen dabei zusammenarbeiten. In dessen Rahmen sollen zum Beispiel Lehrer, Polizisten und Angestellte der Strafverfolgungsbehörden spezielle Fortbildungen erhalten.

Eine eigene Ansprechpartnerin für Antisemitismus in der Justiz gibt es bereits: Als erstes Bundesland überhaupt hat Berlin im September 2018 mit Claudia Vanoni eine Ansprechpartnerin in der Generalstaatsanwaltschaft eingesetzt.

Korgel seit 2013 für die LADS tätig

Korgel war bisher Referatsleiter für Demokratieförderung und Prävention in der Justizverwaltung. Studiert hat er in Berlin, seit 2008 arbeitet er in der Berliner Verwaltung. Zunächst war er für den damaligen Beauftragten für Integration und Migration tätig. 2013 wechselte er in die Landesstelle für Gleichbehandlung und gegen Diskriminierung (LADS). Dort ist er für die Koordination von Maßnahmen zur Prävention von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zuständig.

Perspektive der Berliner Juden in den Mittelpunkt rücken

„Berlin steht im Kampf gegen Antisemitismus vor großen Herausforderungen“, sagte Korgel. „Als Ansprechpartner für Antisemitismus möchte ich mich für eine dauerhafte Auseinandersetzung mit Antisemitismus einsetzen, die von der gesamten Stadtgesellschaft getragen wird.“ Es sei ihm ein Anliegen, die Perspektive der Berliner Juden in den Mittelpunkt zu rücken.

Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Berlin steigt, außerdem äußert sich der Hass gewalttätiger und direkter. Zu diesem Schluss kommt die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS), die von der Justizsenatsverwaltung und der Amadeu Antonio Stiftung gefördert wird. 1083 antisemitische Vorfälle dokumentierte RIAS 2018 in der Hauptstadt – das ist ein Anstieg von 14 Prozent (im Vorjahr: 951).