Fürstenberg/Havel. Die Netzaktivisten Anke und Daniel Domscheit-Berg sind davon überzeugt, dass sich die Piratenpartei dauerhaft im deutschen Parteiensystem etablieren wird. «Was die Vertretung der Bürgerinteressen betrifft, sind die Piraten längst eine Volkspartei», sagte das Aktivistenpaar in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Beide wohnen und arbeiten seit einigen Monaten in Fürstenberg/Havel und waren im Mai in den Landesverband der märkischen Piratenpartei eingetreten.

«Wir entwickeln uns in eine anders strukturierte Gesellschaft. Die Piraten haben wichtige Teile der nötigen Veränderungen verstanden - im Gegensatz zu den etablierten Parteien», sagte Daniel-Domscheit Berg, ehemaliger Sprecher der Enthüllungsplattform WikiLeaks.

Seine Ehefrau Anke nannte als Beispiel die Bedeutung von Bildung und gleichberechtigtem Zugang zu Wissen sowie Chancengleichheit auch für sozial benachteiligte Menschen. «Ob es Migranten sind oder Hartz-IV-Empfänger, wer vertritt die denn noch? Die SPD mit ihrer Agenda 2010? Für die Zukunft brauchen wir jeden, und dafür müssen wir die Rahmenbedingungen schaffen», forderte die 44-Jährige.

Die Piratenpartei stehe auch für mehr Bürgerpolitik und Transparenz in Politik und Verwaltungen. «Die Piraten beschäftigen sich mit einigen strategischen Stellschrauben von denen wir denken, dass sie für eine zukünftige gesunde Entwicklung unserer Demokratie extrem wichtig sind», sagten beide.

Wichtiges politisches Ziel für mehr Chancengleichheit sei das bedingungslose Grundeinkommen für jeden Bürger. «Ich kann doch nicht als Hartz-IV-Empfänger mein Leben lang, alle paar Wochen immer wieder rechtfertigen müssen, warum ich immer noch keine Arbeit gefunden habe. Man muss das so definieren, dass alle dabei sind, und sich keiner ausgeschlossen fühlt», forderte Anke Domscheit-Berg.

Das funktioniere natürlich nur, wenn Arbeitslosen nicht weiter suggeriert werde, ein unwerter Teil der Gesellschaft zu sein, ergänzte ihr Mann. «Vollbeschäftigung im Sinne klassischer Lohnarbeit wird es ohnehin nicht mehr geben. Wer will das denn auch überhaupt?» Vielmehr diene der technologische Fortschritt doch auch dazu, uns von sinnloser Arbeit zu befreien. «Ich muss doch eigentlich jedem Roboter, der Menschen von sinnlosen Tätigkeiten befreit, ihnen mehr Freiräume für Familie, Gemeinschaft und Interessen verschafft, dankbar sein», meinte der 34-jährige.

Seine Frau erwägt indes eine Kandidatur für die Bundestagswahl 2013. «Bis zum Herbst muss ich mich entscheiden. Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, für die Piraten in die Politik zu gehen.» Die Partei findet auch in Brandenburg großen Zuspruch. Der Landesverband der märkischen Piraten ist inzwischen auf mehr als 1000 Mitglieder gewachsen. Innerhalb eines Jahres hat sich die Mitgliederzahl etwa verdreifacht. (dpa/bb)