Berlin/Gorzow - Ein junger Mann steht vor dem Berliner Reichstag und grinst selbstbewusst in die Kamera. Er sieht aus wie ein harmloser Berlin-Tourist, der ein schönes Erinnerungsfoto von sich machen lässt. Aber der Schein trügt: Der Mann auf dem Bild ist Pawel R., verurteilter Stalker und mutmaßlicher Killer seiner Ex-Freundin Kristina. Jetzt ist der Mann tot: Er wurde auf der Autobahn A10 von der Polizei erschossen.

Rückblick: Am Mittwoch stoppen Einsatzkräfte der Polizei Brandenburg einen roten Mazda, der zur Fahndung ausgeschrieben ist. Grund: Der Halter des Fahrzeugs, Pawel R., ist dringend tatverdächtig, seine Ex-Freundin Kristina R. nur wenige Stunden zuvor getötet zu haben. 

Pawel R. soll Ex-Freundin in Wäscherei erschossen haben

Nach Angaben der polnischen Polizei soll der 26-Jährige wutentbrannt am Arbeitsplatz der Frau, einer Wäscherei im polnischen Städtchen Gorzow rund 80 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze, aufgetaucht sein. Dann habe er eine Waffe gezückt und seiner früheren Partnerin in den Kopf geschossen.

Die Frau soll auf der Stelle tot gewesen sein. Bei der Tatwaffe handelte sich nach Ermittlerangaben es sich um eine Vorderladerpistole, die sich der Mann zuvor in einem Laden besorgt habe. Diese Nachbauten historischer Handfeuerwaffen sind in Polen nach Angaben des Sprechers der Staatsanwaltschaft frei verkäuflich.

Polizisten gaben mehrere Schüsse ab

Nach der Bluttat, so die polnischen Ermittler weiter, habe sich der mutmaßliche Killer in sein Auto gesetzt und sei davongerast. Daraufhin habe man den Mann und sein Auto zur Fahndung ausgeschrieben, aufgrund der Nähe zu Deutschland auch grenzübergreifend. Als er schließlich von Einsatzkräften der Polizei Brandenburg auf der Autobahn A10 an der Anschlussstelle Hellersdorf gestoppt wurde, soll er nach Angaben eines Polizeisprechers „eine Waffe auf die Polizisten gerichtet haben“. Daraufhin hätten die Beamten „mehrfach auf ihn geschossen“ und den Mann dabei „tödlich verletzt“.

Tragödie zeichnete sich offenbar seit Monaten ab

Im Rahmen der Ermittlungen kam nun heraus, dass sich die Tragödie offenbar seit Monaten abgezeichnet hatte. So teilten die polnischen Behörden mit, dass Pawel R. im Sommer dieses Jahres von seiner Partnerin Kristina R. verlassen worden sei und sie anschließend gestalkt hätte. Von Mitte Juni bis Mitte Juli habe er sie vor allem über sozialen Netzwerke mit Nachrichten bombardiert.

Schließlich habe sich Kristina R. aus Angst vor ihrem Ex an die Polizei gewandt und ihren früheren Partner angezeigt. Diese nahm Ermittlungen auf, wenig später wurde Pawel R. wegen seiner Stalking-Attacken von einem polnischen Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil sei R. aber am vierten September 2019 in Berufung gegangen.

Doch noch bevor die Richter über die Berufung entscheiden konnte, griff Pawel R. offenbar zum Vorderlader, erschoss seine Verflossene und besiegelte so sein eigenes Schicksal.