Erstmals ist die Polizei offenbar Hintermännern des Drogenhandels im Görlitzer Park auf die Spur gekommen. Bereits am Montag durchsuchten Fahnder der Polizeidirektion 5 eine Wohnung in der Gropiusstadt in Neukölln sowie in der Schwiebusser Straße in Kreuzberg – in letzterer beschlagnahmten sie 1,2 Kilogramm Marihuana.

Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch auf Anfrage bestätigte, nahmen die Beamten einen 24- und einen 26-Jährigen aus Guinea fest. Sie erhielten am Dienstag Haftbefehle. „Es handelte sich offensichtlich um eine Bunkerwohnung, von der aus die Dealer im Görlitzer Park beliefert wurden“, sagte ein Ermittler. Obwohl die dort entdeckte Drogenmenge im Vergleich zu anderen Funden relativ gering ist, glauben die Ermittler, dass die beiden Festgenommenen zu einer Tätergruppe gehören, die die Dealer im Görlitzer Park und dessen Umgebung mit Drogen versorgt.

Massive Präsenz

Bei den Dealern im Park handelt es sich vor allem um Flüchtlinge aus Afrika. Im Fall der jetzt verhafteten beiden Hintermänner werde die ausländerrechtliche Situation derzeit geklärt, hieß es. Mindestens einer ist Asylbewerber, der in einem anderen Bundesland gemeldet ist.

Auf die Spur der mutmaßlichen Groß-Dealer kamen die Drogenfahnder durch „operative Maßnahmen“ wie zum Beispiel Observationen und Telefonüberwachung. Sie hatten die Händler im Park und deren Lieferanten beobachtet. „Wir haben uns dann gewissermaßen von unten nach oben gearbeitet“, sagte ein Fahnder. Die Ermittler machen keine Angaben dazu, ob sie weitere Verdächtige im Visier haben.

Wie berichtet, hatte die Polizei in den vergangenen Wochen diverse Erfolge im Kampf gegen den Drogenhandel im Park. Sie konnte zahlreiche Haftbefehle gegen Dealer erwirken. Ihre Zahl stieg bis zu diesem Mittwoch auf 37. Ein Drittel der Verhafteten ist unter 21 Jahre alt.

Im Herbst, als die öffentliche Empörung über die Dealer im Park immer höhere Wellen schlug, gründete Innensenator Frank Henkel (CDU) eine sogenannte Taskforce aus Innenverwaltung, Polizei, Staatsanwaltschaft und Bezirk. Auch die Ausländerbehörde wurde eingebunden, die die Abschiebung der Täter prüft. Zugleich verstärkte die Polizei ab Dezember massiv ihre Präsenz im Görlitzer Park. In der Polizeidirektion 5 wurde eine spezielle „Sondereinheit Brennpunkte“ gebildet, die jetzt auch zwei der mutmaßlichen Hintermänner festnahm. Der hohe Personalaufwand ermöglichte es, dass Verdächtige mehrmals hintereinander mit Drogen erwischt werden konnten. Das überzeugte auch die Richter, die die Haftbefehle verhängten.

Fahnder verwundert

Dass trotz massiver Polizeieinsätze die Dealer noch immer im Park anzutreffen sind und sich noch keinen neuen Handelsplatz gesucht haben, verwundert einige Fahnder. Manche Täter seien doch „sehr stark auf den Park bezogen“, auch wenn jetzt viele in den Nebenstraßen anzutreffen seien, heißt es.
Unterdessen fassten Beamte des Polizeiabschnitts 36 am Dienstagabend auch in Gesundbrunnen mehrere mutmaßliche Dealer. Die Fahnder hatten Hinweise darauf, dass der 29-jährige Mieter in seiner Wohnung in der Ackerstraße mit Cannabis handelte. Bei dem Einsatz kurz vor 21 Uhr waren der Verdächtige sowie zwei Männer im Alter von 20 und 26 Jahren zugegen. Die Polizisten beschlagnahmten in der Wohnung rund 2?000 Euro in bar aus mutmaßlichen Handelserlösen und etwa 650 Gramm Cannabis.

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