Der Ford Fiesta, in dem die 45-Jährige und ihre 17-jährige Tochter saßen, wurde zertrümmert. 
Foto: Morris Pudwell

BerlinMehr als eine Woche ist es nun her, dass bei einem Raser-Unfall auf dem Kurfürstendamm zwei Menschen schwer verletzt wurden. Doch der Polizei ist es noch immer nicht gelungen, die Täter zu fassen. „Inzwischen konnten wir den Mieter des Fahrzeuges ermitteln“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag der Berliner Zeitung. „Er ist aber nicht derjenige, der zum Zeitpunkt des Unfalls am Steuer saß.“

Nach vorläufigen Erkenntnissen der Polizei soll sich der Fahrer eines 7er BMW am Montagabend vergangener Woche mit zwei weiteren Fahrzeugen ein illegales Rennen geliefert haben. Als in Höhe der Schaubühne eine 45-Jährige mit ihrem Ford Fiesta nach links abbiegen wollte, rammte der rund zwei Tonnen schwere BMW ihr Auto. Der Ford wurde durch die Luft geschleudert. Der BMW schob dann noch drei geparkte Autos zusammen und kam zum Stehen. Durch den starken Aufprall flogen Trümmerteile weit weg. Die Autobatterie des Ford wurde rund 70 Meter weiter gefunden, die Fahrerin lebensgefährlich verletzt. Die 17-jährige Tochter auf dem Beifahrersitz erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. Nach Angaben der Polizei schwebte die 45-Jährige auch am Dienstag noch in Lebensgefahr.

Nach dem Zusammenstoß stiegen mehrere Personen aus dem schwer beschädigten BMW und flüchteten zu Fuß in Richtung Halensee. Die anderen beiden Fahrzeuge, die an dem mutmaßlichen Rennen teilnahmen, rasten davon.

Bisher hat die Polizei fünf Hinweise, denen sie nachgeht – das sind nicht viele angesichts der zahlreichen Zeugen. Unter anderem waren Gäste aus einem Restaurant zur Unfallstelle gelaufen. Sie richteten den Ford Fiesta wieder auf. Doch Zeugen, die eine genauere Beschreibung abgeben könnten, gibt es nur wenige. Die Beamten des Verkehrsermittlungsdienstes wissen nur, dass „mehrere Personen“ in dem BMW saßen, aber nicht wie viele. Es gibt auch keine Personenbeschreibung. Auch die beiden anderen Autos, die an dem Rennen teilgenommen haben sollen, sind noch nicht identifiziert. Ein Uber-Fahrer hatte den Ermittlern lediglich das mitgeteilt, was er schon am Unfallort den Umstehenden sagte: dass an ihm mindestens drei Autos vorbeigerast seien. Er habe das Geräusch nur als „richtig schnelles Rauschen wie auf der Autobahn“ vernommen. „Das muss ein Rennen gewesen sein.“

Keine Datenbank-Treffer bei den Fingerabdrücken

Der Verkehrsermittlungsdienst der Polizeidirektion 2 wertet derzeit die Aufnahmen mehrerer Überwachungskameras aus, die sich am Kudamm befinden, um Aufschluss über die beteiligten Fahrzeuge zu bekommen. Sie sind auch noch auf der Suche nach eventuellen weiteren Kameras. Dies alles ist allerdings schwierig, weil aus Datenschutzgründen private Kameras kein öffentliches Straßenland filmen dürfen.

Der BMW wurde von der Polizei beschlagnahmt. In einer Kfz-Halle wurde er auf Spuren untersucht: Unter anderem sicherten Kriminaltechniker Fingerabdrücke am Lenkrad sowie DNA und Faserspuren auf Sitzfläche und Lehne des Fahrersitzes. Faserspuren dürften dann eine entscheidende Rolle spielen, wenn der Fahrer ermittelt wurde. Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der Datenbank des Bundeskriminalamtes ergab keine Treffer, was es den Ermittlern leichter gemacht hätte. Das heißt, der Fahrer ist der Polizei noch nicht wegen früherer Straftaten bekannt. Es gibt auch keine Vergleichsproben, die einem Verdächtigen gehören.

Inwiefern sich der Mieter des BMW in den Vernehmungen zu dem Fahrer äußerte, ist bisher nicht bekannt. Möglicherweise macht er keine Angaben, weil er damit einen Verwandten belasten würde. Hinweise darauf, dass die Täter dem Clanmilieu angehören könnten, hat die Polizei nach Angaben eines Sprechers bisher nicht.