Wie verursacht man einen Stau? Wie werden Geiselnehmer überwältigt? Wie arbeiten Zivilfahnder? Und wie werden Wohnungen durchsucht und Sprengsätze gebastelt? Diese Fragen von Krimiautoren und Drehbuchschreibern hat bisher eine Beamtin im Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke fachkundig beantwortet.

Bis zum vergangenen Freitag. Jetzt ist damit Schluss, nach 17 Jahren. Den Service wird es künftig nicht mehr geben. Die Mitarbeiterin räumte das Büro und sitzt seit dieser Woche im Stab des Polizeipräsidenten. Die Filmberatung ist der Polizeibehörde zu teuer. Der Senat hat die Schutzleute angewiesen, Stellen in der Verwaltung zu streichen, um Geld zu sparen, heißt es im Polizeipräsidium. Die Schließung der Beratungsstelle tue keinem weh, sagen die Sparkommissare im Polizeipräsidium. Regisseure, Requisiteure, Aufnahmeleiter oder Schauspieler sehen das anders. Die Arbeit werde bürokratischer, heißt es. Künftig übernimmt das Berliner Immobilienmanagement die Motivbesichtigungen in öffentlichen Gebäuden und Dreharbeiten in den Liegenschaften der Berliner Polizei.

Beratung auf dem freien Markt

Der Sprecher der Polizei, Stefan Redlich, sagte auf Anfrage, Beratungsleistungen wie die Film- und Autorenbetreuung werden auf dem freien Markt angeboten. Auch Polizisten hätten die Genehmigung, Autoren und Filmteams zu beraten. Wichtigste Aufgabe der Polizei sei es aber, die Sicherheit in der Stadt zu gewährleisten.

60 930 Euro kostete die Stelle der Filmberaterin jedes Jahr. Dem gegenüber standen Einnahmen in Höhe von 4 250 Euro im vergangenen Jahr, 2011 waren es 5 077 Euro. 25 Mal beriet die Polizeibeamtin im Jahr 2012 Produktionsteams. In diesem Jahr wandten sich Autoren und Fernsehteams neunmal an sie.

Der Verband Deutscher Drehbuchautoren reagierte irritiert über die Entscheidung im Polizeipräsidium. Die Geschäftsführerin des Verbandes, Katharina Uppenbrink sagte: „Wir plädieren für die Autorenberatung. Es gab dafür immer einen immensen Bedarf.“ Auch Parlamentarier aus dem Abgeordnetenhaus sind nicht glücklich mit der Entscheidung. Politiker der SPD, der CDU und der Grünen fürchten einen Imageverlust für die Stadt.

Diese Meinung vertreten auch Berliner Filmberaterfirmen wie das „Leon Action-Team“ von Bernd Weikert. „Die Polizei kann es sich gar nicht leisten, auf die Filmberatung zu verzichten. Denn bei bestimmten Details kann nur die Polizei entscheiden, ob sie diese Infos weitergibt.“ Weikert war 20 Jahre Polizist, davon zehn Jahre im SEK.

Er hat etliche Filmproduktionen beraten und ausgestattet. Beim Film „Bourne Verschwörung“ (2004) mit Matt Damon kümmerte er sich um 450 Polizei-Komparsen, 130 SEK-Leute und 130 Polizeiautos. Sein SEK-Team spielte im Hamburger Tatort mit Til Schweiger und jüngst beim Tatort aus Weimar mit Nora Tschirner und Christian Ulmen.