Ein Ermittler der kriminaltechnischen Untersuchung am Tatort in Blankenfelde.
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BlankenfeldeEs kommt nicht oft vor, dass ein Mensch einen anderen Menschen tötet und dann die Polizei anruft. Am Montag meldete sich ein 59-jähriger Imbissbesitzer in Blankenfelde bei der örtlichen Polizei und sagte dem Vernehmen nach, dass er in Notwehr einen Mann erschossen habe. Dessen Leiche liege nun in seinem Keller. Die Beamten sollten bitte zu ihm kommen.

„Der Sachverhalt wurde umgehend durch Polizeibeamte untersucht, die in einem Objekt in Blankenfelde eine leblose Person auffanden“, so ein Sprecher der zuständigen Polizeidirektion West. Und weiter: „Ein als tatverdächtig geltender 59-jähriger Mann stellte sich kurz nach Bekanntwerden des Sachverhalts bei der Polizei“. Er wurde wegen des Verdachts des Totschlags festgenommen.

Opfer war ein Autohändler

Bei dem Mann handelt es sich um einen Imbissbesitzer, bei dem 44-jährigen Opfer um einen ebenfalls aus dem Ort stammenden Gebrauchtwagenhändler, der bosnische Wurzeln hat. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung redeten Angehörige am Montag davon, dass er und der Imbissbesitzer ein Geschäft hätten abschliessen wollen, bei dem es um ein Auto im Wert von 40.000 Euro gegangen sei. Dazu hätten sich die beiden am Nachmittag des 18. Januar, also vergangenen Sonnabend, in einem Lokal getroffen.

Videoaufnahmen einer Überwachungskamera, die der Berliner Zeitung vorliegen, zeigen dieses Treffen. Nichts deutet auf einen Streit hin, die beiden Männer verlassen die Lokalität gegen 16 Uhr gemeinsam.

Weil anschließend jedes Lebenszeichen des Autohändlers fehlte, gingen Verwandte am Sonntag zum Wohnhaus des Imbissbesitzers und wollten ihn zur Rede stellten. Dieser rief daraufhin die Polizei und gab an, dass er von mehreren Männern bedroht werde. In der Folge rückten Einsatzkräfte an und erteilten den Angehörigen Platzverweise.

Hat die Polizei zu spät gehandelt?

Nach derzeitigem Ermittlungsstand soll der Leichnam des erschossenen Autohändlers zu diesem Zeitpunkt bereits im Keller des Wohnhauses gelegen haben. Doch niemand schöpfte Verdacht. Erst als der Imbissbesitzer am nächsten Tag erneut die Polizei rief und die Tat einräumte, wurden die Beamten fündig.

Während des Leichenabtransports stritten Angehörige mit einem Kripo-Mann. Sie äußerten ihren Unmut darüber, dass die Polizei nicht schon am Vortag das Haus durchsucht hätte, obwohl die Verwandten des Opfers den Verdacht geäußert hatten, der Mann könnte tot im Haus liegen.

Am Dienstag sollte der Imbissbesitzer einem Haftrichter vorgeführt werden. Weshalb es zu der Bluttat kam und ob es sich tatsächlich um Notwehr handelte, wird nun ermittelt.