Sie wollen tanzend an das Geld anderer Leute und bekommen es auch. Trickbetrüger haben sich eine neue Masche einfallen lassen, um sich Geld zu besorgen. In Nordrhein-Westfalen erprobt, sind die Täter jetzt auch verstärkt in Berlin unterwegs. Die Polizei nennt das neue Phänomen den Antanztrick. Und der geht so: Die Täter reihen sich ein in Warteschlangen. An Diskothekentüren überbrücken die Diebe die Wartezeit mit einem kleinen Tanz, der die Wartenden ablenken soll. Das gelingt auch.

Während die Musiker und Tänzer ihre Freundlichkeit verbreiten, die Zuschauer umarmen und zum Mitsingen animieren, schneiden Komplizen der Diebe Taschen der Wartenden auf. Sie stehlen Geldbörsen, Schmuck, Ausweise und Wohnungsschlüssel. Dann flüchten sie.

Alkoholisierte Partygänger sind leichte Opfer

An besonders kalten Tagen tanzen die Gruppen in der S-Bahn. Dort konzentrieren sie sich auf alkoholisierte Fahrgäste, die von einer gemeinsamen Party nach Hause fahren. „Das sind ahnungslose Opfer“, sagen Bundespolizisten. „In der Feierlaune rechnet niemand damit bestohlen zu werden. Fahnder schließen nicht aus, dass sich die Musiker auch in die Warteschlangen für Berlinale-Karten einreihen werden. Man werde ein Auge darauf haben, hieß es bei den Organisatoren des internationalen Filmfestes.

Bundespolizisten kennen das Phänomen. Erst vor einigen Tagen gelang es zwei Beamten in Zivil sogenannte Antänzer festzunehmen. Sie hatten am S-Bahnhof Warschauer Straße zunächst für gute Laune und Fröhlichkeit gesorgt. Bei Corinna P. aus Weißensee schlug die Stimmung um, als sie merkte, dass sie keinen Schein mehr in ihrer Geldbörse hatte. Sie habe den Musikern sogar noch ein Trinkgeld gegeben, weil sie so gut waren, sagte die 29-Jährige.

Nicht zu nahe kommen lassen

Die Täter sind aus Südamerika und aus Afrika nach Deutschland eingereist. Sie arbeiten in großen Gruppen. Gerüchte zufolge befinden sich unter ihnen auch ehemalige Dealer aus dem Görlitzer Park, die sich wegen des zugenommenen Polizeidrucks ein neues Betätigungsfeld gesucht haben. „Dafür haben wir keine Hinweise“, sagt der Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin, Meik Gauer auf Anfrage.

Für den eigenen Schutz raten Fachleute, nicht zuzulassen, dass unbekannte Tänzer die eigene Intimzone überschreiten. Die Intimzone ist für sie eine Armlänge um den eigenen Körper herum. Außerdem raten sie wie bei jedem Trickdiebstahl dazu, Geldbörsen, Ausweise und Wohnungsschlüssel in verschlossen Taschen eng am Körper aufzubewahren.