BerlinNach den Massenschlägereien zwischen Tschetschenen und arabischen Clans hat die Polizei eine eigene Ermittlungsgruppe eingesetzt. „Wir haben sie am 10. November beim Fachdezernat des LKA, das für die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität zuständig ist, eingerichtet. Sie führt mehrere Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung“, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.

Bereits seit Juli verzeichne die Polizei vermehrt Auseinandersetzungen zwischen vornehmlich arabischstämmigen Personen und Personen mit tschetschenischer Volkszugehörigkeit, sagte Slowik. Zum Grund der Streitigkeiten würden die Ermittlungen noch laufen. Nach Angaben von Insidern aus der Clanszene soll der Konflikt „aus Nichtigkeiten“ heraus entbrannt sein. Bei der Polizei vermuten Ermittler indes Revierstreitigkeiten beim Drogenhandel.

Der vorläufige Höhepunkt des Konfliktes zeigte sich am vorvergangenen Wochenende. Am Freitag waren in der Neuköllner Wildenbruchstraße Mitglieder einer tschetschenischen Bande und einer arabischen Großfamilie aneinandergeraten. Diese Auseinandersetzungen wurden dann am nächsten Tag in Gesundbrunnen und Wedding weitergeführt. Dabei wurden Werkzeuge wie Hämmer, aber auch Hieb- und Stichwaffen eingesetzt. Für die Schlägereien waren Tschetschenen aus anderen Städten angereist, darunter ans Magdeburg.

Zwei Tage später vermittelte dann ein sogenannter Friedensrichter eine Schlichtung. Solche Friedensrichter werden im Clanmilieu angerufen, um bei Konflikten die Polizei herauszuhalten – eine Paralleljustiz.

Slowik zufolge signalisierte „eine Kontaktperson“ der Polizei, dass die Streitigkeiten bereinigt seien. „Das ist nach unserem bisherigen Ermittlungsstand keine Garantie. Ganz im Gegenteil. Wir halten durchaus weitere Eskalationen für wahrscheinlich, gegebenenfalls auch mit einem weiteren zeitlichen Abstand.“

Neben der Ermittlungsgruppe betreibe das „Zentrum für Analyse und Koordination zur Bekämpfung krimineller Strukturen“ im LKA Slowik zufolge eine eigens für diese Konflikte eingerichtete Informationssammelstelle.