Das Video, mit dem die Polizei vor Taschendieben warnte, lief bislang im „Berliner Fenster“ in Berliner U-Bahn-Zügen. Es besteht aus Originalbildern von Überwachungskameras und demonstriert die Vorgehensweise der Täter. Zu sehen sind dunkelhaarige Diebe, offensichtlich mit Migrationshintergrund, die ihren Opfern die Brieftaschen stehlen.

Nach Ansicht von Linkspartei und Grünen würden damit Menschen mit Migrationshintergrund pauschal stigmatisiert. Menschen, die nicht-deutscher Herkunft sind, würden als Täter vorgeführt und unter Generalverdacht gestellt, sagt zum Beispiel der Innenpolitische Sprecher der Linksfraktion, Hakan Tas.

Die Grünen werfen der Polizei vor, unnötig Klischees zu bedienen. Auch der Türkische Bund sieht einen Generalverdacht gegen Menschen nicht-deutscher Herkunft.

„Den Film hatten wir vor Jahren dem Berliner Fenster zur Verfügung gestellt“, sagt Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Mittlerweile sei schon vor längerer Zeit ein neuer Film durch die Bundespolizei gedreht worden. „Bei einer Aufklärungsquote von vier Prozent bei Taschendiebstahl weiß man nicht, wie die anderen 96 Prozent der Täter aussehen“, begründet Neuendorf. Generell werde die Präventionskampagne neu überarbeitet.

In dem neuen Aufklärungsfilm, bei dem geprüft wird, ob ihn künftig auch die Berliner Polizei verwendet, werden die Diebstahlszenen durch Polizeibeamte gestellt. Sie sind zum Teil blond beziehungsweise sehen mitteleuropäisch aus.

Im vergangenen Jahr registrierte die Berliner Polizei 13.693 Fälle von Taschendiebstahl. Der Anteil der Nichtdeutschen unter den ermittelten Tatverdächtigen lag bei 74, im Vorjahr bei 77,5 Prozent.

Jeder könne sich über die kriminalstatistischen Daten im Internet informieren, sagt der Landesvorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter, Michael Böhl. „Wie man angesichts dieser Zahlen bezüglich der Auswahl des Videos den Vorwurf des Rassismus erheben kann, ist für einen neutralen Kriminalbeamten nicht nachvollziehbar.“ Eine rassistische Intention in dem Video sei nicht erkennbar, so Böhl.

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