Eine interaktive Landkarte im Internet, auf der in Echtzeit vor Einsätzen der Berliner Polizei gewarnt wird, sorgt für Aufregung in der Hauptstadt. Die Gewerkschaft der Polizei warnt vor lebensgefährlichen Konsequenzen für Beamte und Bürger, wenn Einsätze verraten werden. Die CDU fordert eine sofortige Löschung der Seite. Verantwortlich für die sogenannte Cop-Map ist das Künstler-Kollektiv „Peng!“ Doch was genau will die Gruppe eigentlich?

Bislang eher Satire

Ein „explosives Gemisch aus Aktivismus, Hacking und Kunst im Kampf gegen die Barbarei unserer Zeit“, so beschreibt sich die Gruppe selbst. Bislang waren die Aktionen des Kollektivs eher als Satire mit ernstem Hintergrund zu verstehen. So enterten sie mit anderen Aktivisten 2015 im Eisbärkostüm die „Cinema for Peace“-Gala, um gegen Umweltzerstörung zu demonstrieren.

Im selben Jahr kaperten sie die Hauptverwaltung des Energiekonzerns Vattenfall in Berlin. Und versprachen in dessen Namen bei einer inszenierten Pressekonferenz einen Ausstieg aus der Kohleenergie sowie einen hundertprozentigen Umstieg zu erneuerbarer Energie. Mehrere Medien fielen auf die Meldung herein und verbreiteten sie als reale Entscheidung des Konzerns.

Mit der Cop-Map geht die Gruppe einen Schritt weiter – manchen zu weit. So befürchten Gewerkschaftsvertreter der Polizei, dass es „gefährlich für Leib und Leben aller Beteiligten sein kann, wenn die Vorbereitungen hoheitlicher Maßnahmen vorab bekanntwerden.“ Burkard Dregger, Vorsitzender der CDU-Fraktion, möchte „das Hass-Portal“ am liebsten verbieten lassen. „Es spielt Chaoten und Verbrechern in die Hände, weil sie in Echtzeit einen Überblick erhalten, wo gerade Dienstkräfte im Einsatz sind“, sagt Dregger. Und so hieß es am Mittwoch aus dem linksautonomen Umfeld der Rigaer Straße: „Wir begrüßen Cop-Map. In der Rigaer wurde es gerade erfolgreich getestet. Macht alle mit!“

„Kriminelle werden sich nicht auf Cop-Map verlassen"

Wie so vieles im Internet könne „auch Cop-Map missbraucht werden“, räumt Peng-Sprecherin Nina Los gegenüber der Berliner Zeitung ein. Und natürlich habe man „im Vorfeld auch über mögliche Gefahren“ der Internetseite diskutiert.

„Letztlich ist es aber doch so: Jedes Tool kann missbraucht werden. Im Internet werden Waffen, Drogen und Kinderpornos verkauft. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, das Internet zu verbieten.“

Die studierte Philosophin ist zudem überzeugt: „Kriminelle, die ein Verbrechen vorhaben, werden sich nicht auf so ein Tool wie Cop-Map verlassen.“

„Wie Blitzermeldung im Radio“

Doch wer braucht die neue Internetseite dann? Cop-Map soll zunächst eine Reaktion auf das nur in Bayern gültige und in Teilen der Gesellschaft umstrittene neue Polizeiaufgabengesetz sein, das den Ermittlern dort weitgehende Befugnisse sowie völlig verdachtsunabhängige Kontroll- und Überwachungsmechanismen zugesteht. „Wehret den Anfängen“, sagt Los. „Niemand weiß, ob sich andere Bundesländer nicht ein Beispiel an Bayern nehmen“. Zudem gebe es „grundsätzliche Schattenseiten bei der Institution Polizei“ wie Willkür, rassistische Tendenzen oder gewalttätige Übergriffe, gegen die man sich auflehnen müsse. „Und mit der Cop-Map haben wir die Diskussion darüber weiter angestoßen“, sagt Los.

Sollte die Seite in den nächsten Wochen erfolgreich angenommen werden, so die Sprecherin, könne man sie weiterentwickeln. Auch eine App, mit der Polizisten dann einfach per Knopf-Druck gemeldet werden können, sei durchaus denkbar. Vor einer von der CDU geforderten Löschung der Seite haben die Peng-Aktivisten keine Angst? „Wir haben uns vorher ausgiebig mit unserer Anwältin beraten. Unsere Seite funktioniert wie Blitzermeldungen im Radio. Und das ist nun mal absolut legal.“