Rund 70 Polizisten sind in Berlin gegen eine Schleuserbande vorgegangen. Am Montag und Mittwoch durchsuchten Ermittler acht Wohnungen und verhafteten zwei Beschuldigte.

Insgesamt wird gegen 21 Personen ermittelt. Die vietnamesisch-polnische Tätergruppe soll in mindestens 26 Fällen insgesamt 100 Menschen geschleust haben. Ihre "Ware" bestand vor allem aus Vietnamesen, die von Litauen, Weißrussland und Österreich über Polen nach Deutschland geschmuggelt und von dort zum Teil weiter nach Frankreich und Großbritannien gebracht wurden. Benutzt wurden dafür größtenteils nicht verkehrssichere Autos. "So wurde die menschliche Fracht des Öfteren auf ungesicherten Lkw-Ladeflächen transportiert", sagte ein Ermittler.

Seit vergangenem November ermittelt die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Schleuser, die aus LKA-Beamten und der Bundespolizisten besteht, gegen die Bande. Am Montag verdichteten sich schließlich Hinweise, wonach wieder eine Schleusung über die Bühne gehe. Auf frischer Tat nahmen Fahnder am selben Tag in Berlin-Friedrichsfelde zwei mit Haftbefehl gesuchte Vietnamesen im Alter von 23 und 36 Jahren fest. Diese ließen gerade in der Nähe des Tierparks eine Gruppe geschleuster Vietnamesen aussteigen. Die Ermittler konnten zwei der Geschleusten fassen, die anderen sieben flüchteten.

Äußerst skrupellose Täter

Am Mittwoch durchsuchten Polizisten dann Wohnungen der Bande in Marzahn, Lichtenberg, Treptow, Alt-Hohenschönhausen, Köpenick und Reinickendorf. Dabei fanden sie unter anderem Personaldokumente, die für Schleusungen genutzt wurden sowie Blanko-Geburtsurkunden. Die Polizisten entdeckten auch hochwertige gestohlene Kleidungsstücke im Wert von mehreren Tausend Euro. Sie waren offensichtlich für den Weiterverkauf bestimmt.

Am heutigen Donnerstag wurde auch einem 56-jährigen Polen, der ebenfalls zu der Bande gehören soll, der Haftbefehl verlesen. Der Mann sitzt bereits wegen einer anderen Straftat in der Haftanstalt Tegel.

„Die Täter gingen äußerst skrupellos und mit erheblicher krimineller Energie vor“, sagte ein Polizeisprecher. So wurden geschleuste Personen solange in Wohnungen eingepfercht und festgehalten, bis deren Angehörige gezahlt hatten. Für eine Schleusung von Vietnam nach Deutschland verlangten die Täter zwischen 10 000 und 25 000 Euro.

Folgen Sie unserem Kriminalreporter Andreas Kopietz auf Twitter