BerlinDie Vernehmung des Polizisten vor Gericht dauert schon eine Stunde, als der Vorsitzende Richter Sascha Daue an diesem Donnerstag die entscheidende Frage stellt: Es habe einen anonymen Hinweis gegeben, dass der angeklagte Polizeihauptkommissar Peter G. bei der Einsatzfahrt alkoholisiert gewesen sei. „Sie waren der Beifahrer, haben Sie etwas bemerkt?“, will Daue von dem 30-jährigen Marosch S. wissen.  Nein, antwortet der Beamte mit emotionsloser Stimme. Sonst wäre er an jenem Tag definitiv nicht in den Funkstreifenwagen gestiegen.

Es geht in dem Verfahren vor dem Amtsgericht Tiergarten um den Tod der 21-jährigen Fabien Martini am 29. Januar 2018. Sie starb auf der fünfspurigen Grunerstraße in Mitte, als ein Einsatzwagen der Polizei mit Blaulicht, Martinshorn und Tempo 130 aus dem Tunnel am Alex gefahren kam und in den Kleinwagen der jungen Frau krachte. Erst Monate später wurde durch einen anonymen Hinweis bekannt, dass Peter G., der Fahrer des Polizeiwagens, alkoholisiert gewesen sein soll. Die Krankenakte, die einen Wert von 0,8 Promille ausgewiesen haben soll, wurde beschlagnahmt. Doch Peter G. muss sich vor Gericht lediglich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Das Gericht ließ den Anklagepunkt der Trunkenheit im Straßenverkehr nicht zu, weil die Krankenakte auf nicht rechtmäßigem Weg beschafft worden sein soll.

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