Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt soll mit sofortiger Wirkung abgelöst werden. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Montag. Zuvor hatten „Bild“ und „B.Z.“ berichtet.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) lud kurzfristig zu einer Pressekonferenz um 12.00 Uhr ein. Geisel erklärte, dass  Kandts Nachfolger Mitte April gemäß Beamtengesetz berufen werden soll. Eine Ausschreibung der Stelle werde es nicht geben. Die Aufgaben des 57-Jährigen wird kommissarisch Michael Krömer, Leiter der für Neukölln und Friedrichshain zuständigen Direktion 5, übernehmen. 

Kandt selbst hat sich nach Informationen der „Welt“ „sehr überrascht“ über seine Ablösung gezeigt. Er „akzeptiere diese politische Entscheidung“ aber. Er sei am Montagmorgen zu Innensenator Andreas Geisel einbestellt und in den Ruhestand versetzt worden, berichtete die Zeitung. Dieser habe einen „innenpolitischen Neuanfang beschlossen“. Ihn habe das sehr überrascht, sagte Kandt demnach dem Blatt. „Meine Behörde ist gut aufgestellt, wir stehen finanziell gut da.“ In der nächsten Kriminalstatistik werde die „Ernte meiner Arbeit eingefahren“. 

Die Aufgaben Kandts wird kommissarisch Michael Krömer, Leiter der Direktion 5, deren Zuständigkeit Neukölln und Friedrichshain umfasst, übernehmen. 

Klaus Kandt führte die Berliner Polizei seit Ende 2012. Er war von der Bundespolizeidirektion gewechselt. Der 57-Jährige hatte zuletzt wegen möglicher gesundheitsbelasteter Polizei-Schießstände sowie der Zustände an der Berliner Polizeiakademie in der Kritik gestanden. Seit dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche im Dezember 2016 waren zudem immer wieder Ermittlungspannen ans Licht gekommen.

Karriere bei GSG 9

Der aus Baden-Württemberg stammende Kandt war zuvor Präsident der Bundespolizei in Berlin und Brandenburg. Zu Beginn seiner Karriere war er bei der Anti-Terroreinheit GSG 9 des damaligen Bundesgrenzschutzes, der heutigen Bundespolizei. In den 1980er Jahren leitete er ein Spezialeinsatzkommando bei der Berliner Polizei. Später war er Polizeipräsident in Frankfurt (Oder) und Potsdam.

Laut „B.Z.“ soll der Chefposten bereits zum 1. April neu besetzt werden. Vizepräsidentin Margarete Koppers verlässt die Behörde ebenfalls. Sie übernimmt am 1. März die Leitung der Berliner Generalstaatsanwaltschaft. Damit könnte vermutlich ein Neuanfang in der Behörde ermöglicht werden. Gegen Kandt und Koppers ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den Schießständen. Wegen der laufenden Ermittlungen waren beide zuletzt nicht in den Innenausschuss des Abgeordnetenhauses gekommen. (dpa/BLZ)