In diesem Haus ereignete sich der tödliche Schuss.
Foto: Morris Pudwell

BerlinIn Friedrichshain hat ein Polizist am Freitag eine Frau erschossen. Kurz nach 4 Uhr war ein Funkwagen des Abschnitts 51 zu einer Wohnung in der Grünberger Straße alarmiert worden. Dort soll eine Frau einen Mann mit einem Küchenmesser bedroht haben.

Er rief die Polizei, die innerhalb weniger Minuten kam. Der Mann konnte die Wohnung verlassen, die Frau verschanzte sich in einem Zimmer.

Als Polizisten die Zimmertür öffneten, soll die 33-jährige Maria B. mit einem Messer auf sie losgerannt sein. Ein 28-jähriger Polizeimeister soll den Gebrauch seiner Dienstwaffe angedroht und der Frau dann in den Oberkörper geschossen haben.

Hinter dieser von der Polizeiversiegelten Zimmerür starb die Frau.
Foto Morris Pudwell

Die Frau ist nach Angaben von Ermittlern polizeibekannt, unter anderem wegen Drogendelikten. Sie lebte in der Zwei-Zimmer-Wohnung mit zwei Männern in einer Wohngemeinschaft. Die von der Insel Rügen stammende Maria B. habe psychische Probleme gehabt, berichten Anwohner. Sie habe sich tagsüber in der Drogen- und Trinkerszene am Boxhagener Platz aufgehalten.

Schon am späten Abend soll sie in der Wohnung laut geschimpft und randaliert haben. „Bei dem Streit am Morgen ist sie total durchgedreht“, sagt der Mann, der nach eigenen Angaben von der Frau bedroht wurde. Als er das Messer in ihrer Hand gesehen habe, sei er aus der Wohnung gelaufen und habe die Polizei gerufen. „Als die Polizisten in das Zimmer reingingen, hörte ich sie rufen: ,Nicht bewegen! Messer fallen lassen!’ Dann der Schuss.“

Anwohner kritisieren die Polizei

Unterdessen äußerten mehrere Nachbarn Unverständnis über die Polizeischüsse. „Immer wieder war die Polizei hier. Die Polizisten hätten wissen müssen, dass die Frau psychisch krank ist“, sagt ein Nachbar. Sie sei zudem dünn und zierlich gewesen, und sicherlich hätte die Polizei sie auch anderweitig überwältigen können.

Nach dem tödlichen Schuss hat eine Mordkommission des Landeskriminalamtes die Ermittlungen übernommen. „Kein Polizist schießt gern. Derartige Situationen sind eine enorme psychische Belastung, da binnen Sekundenbruchteilen die richtigen, wenn auch folgenschweren Entscheidungen getroffen werden müssen“, sagt Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei. Selbstverständlich werde auch dieser Einsatz genau untersucht. Aktuell gehe man davon aus, dass sich die Kollegen korrekt verhalten hätten.

Bei kurzer Distanz bleibt nur der Oberkörper als Ziel

In der Ausbildung lernen Polizisten, dass für den Gebrauch der Schusswaffe strenge Restriktionen gelten. Allerdings ist es nach Aussage von Einsatztrainern bei einem Messerangriff bei einer Distanz von weniger als sechs Metern so gut wie unmöglich, nur auf die Beine zu zielen. Dann könne meist nur noch auf den Oberkörper eines schnell herannahenden Angreifers geschossen werden, um die Messerattacke abzuwehren.

Ein solcher Fall ereignete sich zum Beispiel im Februar 2017. Damals erschoss die Polizei in Hohenschönhausen einen geistig verwirrten 25-Jährigen in seiner Wohnung. Er hatte die Beamten mit einem Messer angegriffen. 2013 erschoss ein Polizist einen Mann, der ihn am Neptunbrunnen in Mitte aus nächster Nähe mit einem Messer attackiert hatte. Im August 2011 erschossen Polizisten eine verwirrte Frau vor deren Wohnung, die mit einem Messer auf die Beamten losgegangen war. Nach Angaben von Einsatztrainern und der Staatsanwaltschaft hätten in diesen Fällen mildere Mittel wie zum Beispiel Taser den Beamten bei der Verteidigung nicht geholfen.