Polizisten transportieren einen illegal aufgestellten Spielautomaten ab.
Foto: Morris Pudwell

BerlinPolizisten, Zöllner und Steuerfahnder haben in der Nacht zum Sonnabend in mehreren Bezirken insgesamt neun Lokale kontrolliert. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um einen Einsatz zur Bekämpfung der Clankriminalität. Bei den Razzien stellten sie unter anderem Spielautomaten und Drogen sicher.

In einem Bistro am Treptower Park beschlagnahmten die Beamten drei Spielautomaten. Sie schrieben nach Angaben eines Polizeisprechers Anzeigen wegen unerlaubten Glücksspiels in einem spielhallenähnlichen Betrieb.

Unter anderem in einem Café in der Schönstedtstraße in Neukölln transportierten die Polizisten ein illegales portables Glücksspielgerät ab. Diese kleinen Geräte haben den Vorteil, dass sie heimlich schnell auf- und wieder abgebaut werden können. Bei dem Einsatz soll auch ein offener Haftbefehl vollstreckt worden sein. Die Ermittler entdeckten außerdem Kokain und beschlagnahmten es.

Die Polizei beschlagnahmte auch einen portablen kleinen Spielautomaten, der illegal schnell aufgestellt – und schnell wieder abgebaut werden kann.
Foto: Morris Pudwell

In einem Café am Maybachufer in Kreuzberg beschlagnahmten Polizisten bei einer Durchsuchung 100 Schuss scharfe Munition, die keiner Person zugeordnet werden konnten. Der 28-jährige Angestellte konnte keine Angaben zur Herkunft der Munition machen. Erst im Juni vergangenen Jahres waren dort kiloweise Drogen sichergestellt worden.

An dem Verbund-Einsatz der Behörden waren neben der Polizei auch das Ordnungsamt Neukölln, das Hauptzollamt Berlin und das Finanzamt Wedding beteiligt. Seit dem vergangenen Jahr gehen die Behörden verstärkt gegen Kriminalität arabischer Familienclans vor. Allein im vergangenen Jahr rückte die Polizei zu 382 Einsätzen aus. Die Beamten kontrollierten 702 Objekte, darunter 322 Cafés und Bars, 190 Shisha-Bars, 60 Wettbüros und Spielstätten, 25 Barber-Shops und elf Juweliere. Sie schrieben 972 Straf- und 5908 Ordnungswidrigkeitsanzeigen. Sie beschlagnahmten fast 35.000 Euro aus Drogengeschäften, rund 970 Verkaufseinheiten Rauschgift, mehr als 31.000 unversteuerte Zigaretten, rund 554 Kilogramm unversteuerten Wasserpfeifentabak sowie 123 Autos und zwei Motorräder sowie 104 Waffen – darunter sieben Macheten und 59 Messer.

Mit dieser sogenannten Politik der tausend Nadelstiche will die Politik klarmachen, dass sie sich von Clankriminellen nicht länger auf der Nase herumtanzen lassen will. Bei den Einsätzen sind oftmals Finanzermittler mit dabei, weil die Behörden davon ausgehen, dass einige Lokale und auch Spielautomaten der Geldwäsche dienen. Die Gewerbekontrollen sind Teil eines Fünf-Punkte-Plans, den der Senat im November 2018 beschloss. Zu diesem gehören die „konsequente Verfolgung und Ahndung von bereits niedrigschwelligen Regelverstößen und Allgemeinkriminalität“ sowie die Einziehung von Vermögen. 

In derselben Nacht, als die Behörden ausrückten, ahndeten Ordnungsamt und Polizei in Neukölln auch Verstöße gegen die Corona-Vorschriften. In einer Kneipe an der Hermannstraße lösten sie eine Musikveranstaltung auf. Die Polizei schrieb mehrere Anzeigen. Die Kneipe konnte nach der Räumung geöffnet bleiben.