Bandenkriminalität: Polizisten stürmen Clan-Villa in Berlin-Neukölln 

Die Polizei durchsuchte am Donnerstag fünf Orte in Berlin. Unter anderem beschlagnahmten sie einen Kühlschrank.

Bereitschaftspolizisten durchsuchten am Morgen die Villa des Remmo-Clans in Neukölln.
Bereitschaftspolizisten durchsuchten am Morgen die Villa des Remmo-Clans in Neukölln.Berliner Zeitung

Ein Großaufgebot der Berliner Polizei hat am Donnerstag im Neuköllner Ortsteil Alt-Buckow die Villa des Remmo-Clans gestürmt. Die Berliner Staatsanwaltschaft führt gegen mehrere Mitglieder der arabischstämmigen Großfamilie ein Ermittlungsverfahren wegen des Diebstahls hochwertiger elektronischer Geräte.

Wie eine Polizeisprecherin bestätigte, wurden am Morgen Durchsuchungsbeschlüsse an insgesamt fünf Orten vollstreckt.

Die Beamten der Bereitschaftspolizei und des LKA sollen unter anderem einen gestohlenen Miele-Kühlschrank sichergestellt haben. Dieser wurde in einem Elektronikgeschäft in Schöneberg gestohlen. Er hatte nach Angaben von Ermittlern auf der Straße gestanden, als Diebe mit einem Auto vorfuhren, und ihn mitnahmen. Die Täter hatten nach Angaben von Ermittlern dafür das Verkaufspersonal abgelenkt. 

Die Ermittler haben Familienmitglieder auch im Verdacht, Lasergeräte zur Haarentfernung gestohlen zu haben. Sie wurden bei der Razzia aber nicht gefunden.

Durchsucht wurde auch in Adlershof und in Mariendorf

Ein Mann aus dem Remmo-Clan und eine Frau wurden vorübergehend festgenommen und in einem Gefangenentransporter abtransportiert. Nach einer erkennungsdienstlichen Behandlung wurden beide wieder freigelassen. Einer der Remmo-Söhne soll die Polizisten während der Durchsuchung als „Hurensöhne“ und „Bastarde“ beleidigt haben. Von einer Anzeige sahen die Polizeibeamten ab.

Die Polizisten stellten zudem einen Mercedes Sprinter als mutmaßliches „Tatwerkzeug“ sicher.

Durchsucht wurden unter anderem auch eine Wohnung in Adlershof, wo ein Mitglied des Clans lebt, und Firmenräume in Mariendorf, wo ein weiteres Clanmitglied eine Security-Firma betreibt.

„Es ist wichtig, dass der Rechtsstaat immer wieder Grenzen aufzeigt und entschieden gegen kriminelle Clanstrukturen vorgeht“, sagt Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, man könne unsere Gesetze missachten und schwerste Straftaten begehen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. „Es ist kein Zufall, dass man bei diversen Fällen immer wieder auf bekannte Tatverdächtige stößt, die mehrfach bewiesen haben, dass sie die rechtsstaatlichen Regeln missachten.“

Gerichtsstreit um Kündigung

Die Clan-Villa beschäftigt schon seit längerer Zeit die Justiz. Haus und Grundstück gehören zu den 77 Immobilien der Familie, die die Berliner Staatsanwaltschaft im Jahr 2018 beschlagnahmt hatte. Diese wurden nach Überzeugung der Behörde nicht mit legalem Geld gekauft.

Im Fall der Villa liegt eine rechtskräftige Entscheidung vor, wonach das Land Berlin Eigentümerin der Immobilie ist. Ein entsprechender Eintrag ins Grundbuch ist erfolgt, der Bezirk Neukölln ist als Kommune zuständig für Haus und Grundstück.

Der Bezirk hatte der Familie gekündigt und eine Frist bis Ende Oktober 2021 zum Auszug gesetzt. Als der Clan die Villa am 1. November nicht geräumt hatte, zog der Bezirk vor Gericht. Aus seiner Sicht ist das Vertrauensverhältnis zum Mieter gestört. Hintergrund ist ein Mietvertrag, der nach Auffassung des Bezirks gefälscht ist, weil es Unstimmigkeiten bei den Vertragsdaten gibt. Die Familie bestreitet das.