Eine Regenbogenfahne gegen Homophobie.
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BerlinStädte- oder Bezirkspartnerschaften sind eine gute Sache. Wie in einer Freundschaft tauscht man sich aus, lernt voneinander und wenn man sich mal ein wenig satt hat, dann lockert man die Beziehung ein wenig, bis man wieder zusammenfindet.

Es gibt aber auch Situationen, in denen man eine Freundschaft auf Eis legen muss, weil sich der Partner danebenbenommen hat oder gar indiskutabel verhält. So wie zum Beispiel die polnische Gemeinde Poniatowa, Partnerstadt des Berliner Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Die Kleinstadt im Südosten Polens hat sich zur LGBT-freien Zone erklärt, Homosexualität und Transsexualität sind also in Poniatowa offiziell weder existent noch erwünscht.

In einem Land in der Mitte Europas wird – im 21. Jahrhundert – eine Minderheit offen diffamiert, verfolgt und diskriminiert. Doch offenbar sind die Bande zwischen dem Berliner Bezirk und der polnischen Stadt ohnehin schon recht locker. Anders ist es nicht zu erklären, dass man in Steglitz-Zehlendorf Monate brauchte, um zu bemerken, dass sich Poniatowa bereits am 30. August 2019 zur LGBT-freien Zone erklärt hat.

Im Mai 2020 reagierte Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) mit Unterstützung der Bezirksstadträte dann auf die Erklärung Poniatowas und distanzierte sich in einem Brief an den Bürgermeister der Stadt, Pawel Karczmarczyk. Die Erklärung stelle eine erhebliche Belastung der Städtepartnerschaft dar, heißt es in dem Schreiben. Eine Reaktion der polnischen Seite erfolgte bis heute nicht. Eine weitere Aktion des Bezirks Steglitz-Zehlendorf indes auch nicht. Man wolle auf Einladungen nicht reagieren, sollten diese denn ausgesprochen werden, so die Bürgermeisterin.

Das ist diplomatisch, man muss ja in der Regel nicht gleich alle Bande kappen. Aber spätestens hier und jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, die Freundschaft zu beenden.