Liebe und Hiebe: Das ist auch in dieser Kolumne wieder das Thema. In der vorigen Woche hatte ich darüber berichtet, dass der ehemalige Sonic-Youth-Gitarrist Thurston Moore drei Jahre nach der Trennung von seiner Frau, der ehemaligen Sonic-Youth-Bassistin Kim Gordon, gegenüber einem britischen Magazin erklärt hatte, selbige schon lange zuvor mit seiner aktuellen Lebensgefährtin betrogen zu haben, woraufhin aus genderpolitisch engagierten Kreisen ein veritabler Fäkalsturm auf ihn niederging. In dieser Woche erscheint nun das neue Album von Thurston Moore – es handelt sich um eine Kollaboration mit einem knappen Dutzend misogyner Black-Metal-Musiker unter dem Namen Twilight; das Konzept der „III: Beneath Trident’s Tomb“ betitelten Platte erläuterte Moore folgendermaßen: „Wir sind nicht zusammengekommen, um Musik zu machen. Wir haben uns miteinander verbündet, um das rationale Denken komplett zu zerstören.“

Aber es gibt auch noch Menschen, die schöne Lieder über die Liebe zu schreiben verstehen! Zum Beispiel Joan Wasser alias Joan As Police Woman: „The Classic“ heißt ihre sehr gute neue Langspielplatte, und im Titelstück umkreist sie schnurrend und maunzend das Glück einer gerade erblühenden Zweierbeziehung: „Could it be that you are the one?“ Drumherum macht ein dunkel baritonierender Doowop-Chor „doo“ und „wop“, aber auch „bahumba“ und „humba“. Neulich traf ich Joan Wasser zum Gespräch in einem Hotel in Mitte; weil es sich um einen der wenigen sehr kalten Wintertage des zurückliegenden Winters handelte, war ich froh, dass das Hotel über einen eigenen Raucher-Salon verfügte. Allerdings durfte man, wie der Portier mir erklärte, in diesem Raucher-Salon nur Zigarren rauchen. Verrückt. Es war aber trotzdem ein schönes Gespräch, unter anderem unterhielten wir uns über Liebe, Wahrhaftigkeit und Depressionen.

Früher haben Sie ja mehr so die melancholisch-authentische Songwriterin gegeben. In dem neuen Stück „The Witness“ singen Sie nun von dem Gefühl, dass das eigene Leben nur eine Erfindung ist. Heißt das, dass Sie nicht mehr an die Wahrhaftigkeit des Selbstausdrucks glauben?

Nein, da geht es nicht um Kunst, sondern um mich. Als ich vor einer Weile zum ersten Mal eine echte Depression hatte, da hat meine Therapeutin mir dazu geraten, auf mich selbst wie auf eine fiktive Figur zu blicken; so könne ich mich besser verstehen, aus dem Tal kommen und neue Lebenskraft schöpfen.

Scheint geklappt zu haben, die ganze Platte wirkt jedenfalls ziemlich optimistisch und kraftvoll…

…danke! Was auch daran liegt, dass wir erstmals alles gemeinsam gleichzeitig live eingespielt haben…

Das Titelstück klingt, als ob Sie frisch verliebt sind. Sind Sie?

Sag ich nicht.

Bei dem letzten Auftritt, den ich gesehen habe, haben Sie ständig versucht, Ihren Drummer Parker Kindred an die Frau zu bringen: „Schaut euch meinen Drummer an! Er ist noch ledig! Wollt ihr seine Telefonnummer? Ich kann euch helfen!“ Ist er inzwischen unter der Haube?

Nee, Parker ist ziemlich speziell, die Mädchen fliegen auf ihn, aber mit Beziehungen wird das dann immer nichts. Wie ist das mit Ihnen, stehen Sie eher auf Männer oder auf Frauen?

Sag ich nicht.

Na, ich hab auf der Tour jedenfalls einen total niedlichen neuen Gitarristen dabei, der ist zwar in festen Händen, aber die Mädchen im Publikum werden ihn trotzdem lieben. So süß! Der ist echt Augenzucker, der Typ.

Joan As Police Woman und ihre total süßen Typen spielen am kommenden Dienstag, den 25. März, um 20 Uhr im Postbahnhof.