Berlin - Nach dem schweren SUV-Unfall in der Invalidenstraße in Berlin-Mitte, bei dem vier Menschen starben, hat der erste Auto-Hersteller Konsequenzen gezogen. Mercedes stoppte eine neue Werbekampagne für diesen Fahrzeugtyp.

„Sie jagen gern Abenteuer in der Großstadt?” - mit diesem Slogan hatte der Autohersteller Mercedes Benz bis vor kurzem für einen SUV geworben. Inzwischen wurde die Werbekampagne von Daimler gestoppt, wie ein Sprecher bestätigte. Der frühere Tech-Blogger Sascha Pallenberg, der inzwischen für Daimler arbeitet, schrieb auf Twitter, der Slogan sei bereits vor Monaten entworfen worden. „Es war zu keiner Zeit unsere Absicht, damit Gefühle zu verletzen. Angesichts des tragischen Unfalls in Berlin haben wir uns entschlossen, diesen nicht weiter zu nutzen.”

Hinweisportal der Polizei für Zeugen des Unfalls in Mitte geschaltet

Unterdessen versucht die Polizei weiter, den genauen Ablauf des Unfalls mit vier Toten in Mittel sowie die Schuldfrage zu klären. „Der genaue Unfallhergang ist weiterhin unklar”, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Die Polizei schaltete ein Portal im Internet frei, über das Fotos, Videos und Hinweise online geschickt werden können.

Tödlicher SUV-Unfall in Mitte: Fahrer könnte epileptischen Anfall gehabt haben

Am Freitagabend war ein Porsche Macan auf die Gegenfahrbahn geraten und dann von der Straße abgekommen. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr die vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun. Unter den Opfern befand sich ein dreijähriger Junge. Nach dem Unfall gab es einen Hinweis eines Zeugen, dass der 42-jährige Fahrer am Steuer einen epileptischen Anfall erlitten haben soll - und dass er an dem Tag entsprechende Medikamente eingenommen habe.

Ob das tatsächlich so war, ist weiter unklar. Die Polizei wollte die Krankenakte des Mannes beschlagnahmen. In der Regel dürfen Epileptiker nicht Autofahren. Ausnahmen gibt es unter Umständen, wenn sie mindestens ein Jahr ohne Anfall waren.

Bisher ist ein Video bekannt, dass das Unfallauto zeigen soll. Zu sehen ist, wie der Wagen auf der Gegenfahrbahn fährt, vorbei an den auf der rechten Spur wartenden Autos. Anschließend fährt er geradeaus auf den Gehweg an der Kreuzung zu, wo Menschen stehen.

Unfall-Fahrer ist Deutscher

Auch am Dienstag legten Menschen Blumen an der Unfallstelle an der Kreuzung Invalidenstraße und Ackerstraße in Berlin-Mitte nieder. Die St. Elisabeth-Kirche, die direkt am Unfallort liegt, soll von Donnerstag bis Sonntag wieder zum stillen Gedenken öffnen. Am Freitagabend ist eine Andacht für die Unfallopfer geplant. Die Kirche war schon am Wochenende ein Rückzugsort für trauernde Menschen.

Im Internet behaupteten einige Schreiber, der Fahrer des Unfallwagens sei Marokkaner. „Terroranschlag?”, fragte ein Mann. Nach Auskunft der Polizei ist der Fahrer Deutscher. Er sei auch nicht marokkanischer Herkunft, sondern habe einen typischen deutschen Vornamen.

Der Unfall entfachte eine Debatte über Sportgeländewagen (SUV, englisch: Sport Utility Vehicle) in Innenstädten. Grünen-Politiker, die Deutsche Umwelthilfe und alternative Verkehrs- und Fußgänger-Verbände forderten Einschränkungen. Nach Einschätzung von Experten aus der Unfallforschung und der Polizei gab es aber keine Hinweise dafür, dass der Unfall mit einem anderen Auto anders verlaufen wäre. Viele Limousinen sind genauso schwer und schnell wie das Unfallauto. (BLZ/dpa)