Berlin - Man könnte sagen, dass Jalid Sehouli nie aus dem Wedding herausgekommen ist, und dieser Satz wäre wahr und doch auch ganz falsch. Der Name in Kombination mit dem Stadtteil, in dem einer sein Leben lang verharrt hat – da ist man schnell dabei, sich im Kopf eine Migrantenbiografie zurechtzuzimmern, in der nicht viel erreicht worden ist. Die Ausgangsvoraussetzungen stimmen. Der Vater, ein politischer Flüchtling aus Marokko, der in den 60er-Jahren nach Berlin kommt, verdient anfangs sein Geld als Boxer. Später arbeitet er in einer Fabrik. Die Mutter kann nicht lesen und schreiben. Zu sechst leben sie in einer Einzimmer-Wohnung in der Stralsunder Straße, nicht weit von der Mauer. Das zeichnet Bahnen vor, die in Deutschland schwer zu verlassen sind. Doch es ist alles ganz anders gekommen.

An einem kalten Frühlingstag sitzt Jalid Sehouli in einem marokkanischen Restaurant in Berlin-Mitte. Der Bebra-Verlag, in dem gerade sein Buch erschienen ist, hat dorthin eingeladen. Es gibt süßen Minztee, wie Jalid Sehouli ihn in „Und von Tanger fahren die Boote nach irgendwo“ besingt. Der Autor trägt Anzug und Krawatte, um seinen Hals hat er einen leuchtend blauen Schal geschlungen. Der Verleger stellt seinen Autor als Beispiel für eine gelungene Migration vor, dafür, wie sich Menschen und Kulturen bereichern können.

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