Berlin - Das war klar, dass diese Frage als erste kommt. „Wann waren Sie denn eigentlich das letzte Mal in der Oper?“ Der künftige Kulturstaatssekretär von Berlin räuspert sich etwas verlegen und zieht das Mikrofon näher zu sich heran: „Vor einem halben Jahr!“ Ach! Echt? Unter den zahlreich versammelten Journalisten breitet sich bereits Erstaunen aus und auch ein wenig Respekt, denn eigentlich hatte niemand damit gerechnet, dass der künftige Kulturstaatssekretär von Berlin überhaupt schon einmal in der Oper war. Mit etwas leiserer Stimme fügt er dann aber doch noch hinzu: „Da war in der Oper allerdings auch eine Party.“

Hervorragend! Nach dem Party-Bürgermeister hat die Stadt nun also auch einen Party-Kulturstaatssekretär – so könnte man die Personalie bespotten, die Klaus Wowereit am Donnerstagmittag der geneigten Öffentlichkeit präsentierte.

Man könnte aber auch sagen, dass Wowereit nach dem desaströsen Abgang seines letzten Kulturstaatssekretärs André Schmitz jetzt noch einmal für eine Überraschung gesorgt hat, mit einer Personalentscheidung, die Symbolcharakter besitzt: Neuer Kulturstaatssekretär von Berlin wird weder ein Verwaltungsprofi noch ein Strippenzieher aus der bürgerlichen Hochkulturwelt mit Opern, Theatern und Museen. Sondern ein unbeschlipster Vertreter der Popkultur: der 49-jährige Musikmanager Tim Renner, ehemaliger Chef der deutschen Filiale des globalen Konzerns Universal Music, heute Inhaber des mittelständischen Musikunternehmens Motor Entertainment und Professor an der Popakademie Mannheim.

Wer Tim Renner nicht kennt, kennt eventuell einige von den Künstlern und Bands, die er als Manager bei Universal unter Vertrag genommen und denen er zu lang anhaltenden Karrieren verholfen hat: etwa Element of Crime, die Sportfreunde Stiller und Tocotronic. Und vor allem aber: Rammstein, die lustigen Teutonenrocker mit den Leni-Riefenstahl-Videos und den sadomasochistischen Stadion-Shows für die ganze Familie, die international erfolgreichste deutsche Rock-Band der letzten Jahrzehnte. Diesen Triumph der populären Unterhaltung, das kann man wohl sagen, hätte es ohne ihn nicht gegeben.